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Ausgabe Nr. 11/2017 vom 14.03.2017, Fotos: picturedesk.com, Pflügel, Trölß
Viele Pensionisten müssen jeden Euro umdrehen, um über die Runden zu kommen.
Irmgard Pflügl, 66: „Ich steige mit einem Verlust aus“
„Die Pensionserhöhung von 0,8 Prozent ist eine Frechheit. Die Politiker behaupten zwar immer, dass sie für uns Senioren etwas bewegen. Aber schlussendlich füllen sie nur ihre eigenen Säcke mit Geld und der Rest der Bevölkerung wird immer ärmer. Für mich macht die Pensionserhöhung nur acht Euro netto aus. Voriges Jahr bekam ich 1.242 Euro Pension, heuer sind es 1.250 Euro. Da ist aber auch meine Witwenpension enthalten. Ich alleine bekomme sowieso nur knapp 540 Euro Alterspension. Die acht Euro Pensionserhöhung machen das Kraut nicht fett, weil das Leben in diesem Jahr teurer geworden ist und es viele Erhöhungen gab. So wurde meine Haushaltsversicherung um drei Euro erhöht, Wasser und Müllabfuhr sogar um fünf Euro. Für die Autoversicherung zahle ich einen Euro mehr und auch der Strom wurde um drei Euro teurer. Wenn das so weitergeht, weiß ich nicht, wo das noch hinführt. Ich steige monatlich mit einem Verlust aus.“
Erich Hofer, 70: „Sparen beim Essen“
„Meine Pension beträgt rund 1.600 Euro netto. Mit der Erhöhung habe ich 14,60 Euro mehr. Die Inflation wird damit nicht abgegolten. Es wäre gerecht, wenn die Großpensionisten aus der Politik, Wirtschaft und Industrie drei oder vier Jahre keine Erhöhung hätten und das Geld, das übrig bleibt, auf die ,kleinen Pensionisten‘ aufgeteilt wird. Wir können nur bei den Lebensmitteln sparen. Alles andere sind Fixkosten. Wir sparen beim Essen, weil es anders nicht mehr geht. Sonderangebote frieren wir ein.“
Elfriede Safer, 63: „Neun Euro mehr für Diesel“
„Im Vorjahr habe ich 906,73 Euro netto Pension bekommen, im Jänner waren es 913,98 Euro. Das sind rund sieben Euro mehr. Allein die Teuerung beim Diesel macht mehr aus, für das Tanken brauche ich jetzt um neun Euro mehr im Monat. Für Medikamente habe ich Zusatzkosten von etwa acht Euro monatlich. Das Pensionssystem ist ungerecht. Es benachteiligt Frauen, die das ganze Leben lang gearbeitet haben, so wie ich. Es benachteiligt jene, die nicht so viel verdient haben. Ich bin dafür, dass eine Mindestpension in einem humanen Verhältnis eingeführt wird. Wenn der Mindestlohn von 1.500 Euro für alle kommt, dann soll sich daran die Mindestpension orientieren. Das sind mindestens 1.200 Euro netto monatlich.“
Johann Rathgeb, 66: „Sind am Abstellgleis“
„Ich bekomme 302,45 Euro von der Pensionsversicherungsanstalt, knapp 400 Euro aus Deutschland, weil ich dort an die 20 Jahre gearbeitet habe und von der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) knapp 320 Euro monatlich. Ich hab‘ beruflich Epoxidharzböden gemacht und mir eine Allergie geholt. Meine Ausgaben betragen etwa 420 Euro pro Monat inklusive Miete. Fürs Essen gebe ich in der Woche 50 Euro aus. Wir ,kleinen Pensionisten‘ sind die vergessene Gene-
ration, wir sind am Abstellgleis.“
Alles wird teurer, doch die Pensionisten werden mit ein paar Euro abgespeist
Der kalte Winter hat die Heizkosten nach oben getrieben. Tanken ist deutlich teurer geworden, die Gebühren sind gestiegen. Das tägliche Leben kostet viel mehr, als die niedrige Pensionserhöhung bringt.
Bis zu 200 Euro mehr müssen wir heuer fürs Heizen zahlen. Dem frostigen Winter sei Dank. Benzin und Diesel waren im Jänner um rund ein Siebentel teurer als im Dezember. Der Preis für Heizöl ist gar um ein Drittel gestiegen. Und auch Lebensmittel kosten mehr, vor allem Gemüse.

So hoch wie im Jänner war die Teuerungsrate seit dem Jahr 2013 nicht mehr. Zwei Prozent haben die Statistiker errechnet, der tägliche Einkauf ist sogar um 2,3 Prozent teurer geworden.

Die Pensionserhöhung von 0,8 Prozent kann das bei Weitem nicht wettmachen. „Ich steige mit einem Verlust aus“, sagt die 66jährige Kärntnerin Irmgard Pflügl. So wie ihr geht es dem Großteil der 2,3 Millionen Pensionisten in unserem Land. Die durchschnittliche ASVG-Pension liegt bei 1.200 Euro. Frauen bekommen mit 1.050 Euro deutlich weniger. Männer erhalten im Schnitt 1.850 Euro. Spürbar mehr erhalten Beamte im Ruhestand. Bei Männern beträgt der „Ruhegenuss“ durchschnittlich 2.890 Euro im Monat, bei Frauen sind es 2.745 Euro.

Die „kleinen Pensionisten“ haben aber kaum etwas von der Pensionserhöhung. Die Durchschnittspensionistin bekommt etwa nur rund acht Euro mehr aufs Konto.
Da war auch der „Pensions-Hunderter“ nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Als „weder gerecht noch nachhaltig“ hat ihn Ingrid Korosec, die Obfrau des ÖVP-Seniorenbundes kritisiert. Denn die Einmalzahlung von hundert Euro wird bei künftigen Pensionserhöhungen nicht berücksichtigt. Und es gab keine Obergrenze. Auch der pensionierte Generaldirektor mit 3.000 Euro Pension und Zusatzrente hat hundert Euro aufs Konto überwiesen bekommen.

„Der ,kleine Pensionist‘ wird ausgeraubt“, ärgert sich der Oberösterreicher Erich Hofer. „Nach zehn oder 20 Jahren ist die Halbwegs-Pension nur noch ein Butterbrot wert. Sie schmilzt so zusammen, dass die Menschen Probleme kriegen.“ Er würde den Großpensionisten für ein paar Jahre die Erhöhung streichen und das gesparte Geld unter den Klein-Rentnern verteilen. Der 70jährige wünscht sich für sie eine Erhöhung von drei bis vier Prozent. „Das würde die Wirtschaft fördern, wenn sich der ,Kleine‘ ein bisschen mehr leisten kann. Millionen Pensionisten könnten die Wirtschaft ankurbeln, dafür Sorge tragen, dass es unserem Land insgesamt besser geht. Dass das nicht gemacht wird, ist für mich nicht verständlich.“

Viele Pensionisten kommen mit ihrer Mini-Rente knapp über die Runden. Von „Luxus“ wie einem Urlaub können sie nur träumen. „Seit ich in der Pension bin, kann ich mir keinen Urlaub leisten“, erzählt die 63jährige Niederösterreicherin Elfriede Safer. „Das ist erschreckend, weil ich mir gern ein bisschen was anschauen würde von der Welt. Ich würde gern in Griechenland am Strand spazieren gehen, aber das kann ich mir nicht
leisten.“

Dass die Regierung jetzt einen Mindestlohn von 1.500 Euro durchsetzen will, hält sie für „unbedingt erforderlich. Ansonsten droht nicht nur mir, sondern vielen die Altersarmut.“ Davon sollte sich dann aber auch eine Mindestpension von 1.200 Euro netto ableiten. „Damit könnten die Politiker verhindern, dass Altersarmut entsteht. Denn während die Menschen arbeiten, können sie sich gerade noch über Wasser halten. Dann gehen sie in die Pension und auf einmal geht es sich nicht mehr aus.“
Doch während die „Lohnerhöhung“ von 0,8 Prozent bei den Pensionisten nur wenige Euro ausmacht, zahlt sie sich bei den Politikern mehr aus. Deren Gagen stiegen mit Jahresanfang ebenfalls um 0,8 Prozent. Der Bundespräsident verdient jetzt brutto 195 Euro mehr (24.516 Euro im Monat), SPÖ-Kanzler Christian Kern bekommt 174 Euro mehr (21.889 Euro) und ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner 153 Euro (19.263 Euro).

Die Nulllohnrunden für Politiker sind Geschichte. In den Jahren 2008 bis 2012 sparten unsere Volksvertreter auch bei sich. Jetzt werden sie wieder im selben prozentuellen Ausmaß erhöht wie die Pensionen. Allerdings fällt das Ergebnis deutlich üppiger aus.

Am anderen Ende der Einkommens-Skala grassiert die Altersarmut. Sie trifft vor allem Frauen. Jede vierte alleinstehende Pensionistin ist davon bedroht. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) in unserem Land hat. Die Armutsgefährdungs-Schwelle liegt derzeit bei 1.163 Euro monatlich für einen Einpersonenhaushalt. Die durchschnittliche ASVG-Pension von Frauen liegt rund hundert Euro darunter.

„Das System ist ungerecht“, ist deshalb Elfriede Safer überzeugt. „Mein Appell an die Bundesregierung lautet, schickt uns nicht in den Ruin. Lasst uns Lebensqualität und ein bisschen davon profitieren, dass wir mitgeholfen haben, unser Land aufzubauen. Es ist dringend an der Zeit zu handeln.“

Im neuen rot-schwarzen Regierungsprogramm ist aber zum Thema Pensionen nichts zu finden. Lediglich die Ankündigung, dass sich ab April eine Arbeitsgruppe wieder einmal der Vereinheitlichung des ASVG- und Beamtenpensionssystems widmen soll. Immerhin hat die Koalition aber mit Jahresanfang die Mindestpension für Alleinstehende, die mindestens 30 Jahre gearbeitet haben, von 890 Euro auf tausend Euro erhöht.

Für den Oberösterreicher Johann Rathgeb steht trotzdem fest: „Wir ,kleinen Pensionisten‘ sind die vergessene Generation.“ Der 66jährige Pensionist ist bekennender Sozialdemokrat. Sein Aufruf an die Partei-Oberen kommt von Herzen: „Ihr in der Sozialdemokratie denkt zurück an die Ur-Werte, die wir vertreten wollen. Denkt zurück, wir haben Menschen hier, die unser Land aufgebaut haben. Wir haben Pensionistinnen und Pensionisten, die fleißig gearbeitet haben, trotzdem gibt es viele, die kaum noch auskommen mit ihrem Geld, weil sie so niedrige Pensionen haben. Das darf nicht sein.“

Doch wie so oft werden diese Appelle ungehört verhallen, im drittreichsten Land der EU.
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