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Ausgabe Nr. 11/2017 vom 14.03.2017, Fotos: duty
Alice Fink, 15: "Als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, war ich sprachlos und verzweifelt. Denn ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte, schließlich ging ich doch noch zur Schule und hatte kein Geld.“
Karolina Kocevski freut sich über die Hilfe, möchte ihren Sohn um nichts in der Welt missen.
Schwanger und selbst noch ein Kind
Die Mutterschaft stellt an sich schon eine Herausforderung dar. Wenn die Glückliche dann selbst noch gar nicht erwachsen ist, bricht für sie erstmals eine Welt zusammen. Trotzdem entscheiden sich viele für das Kind. Bei „YoungMum“ finden diese Mädchen breite Unterstützung.
Als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, war ich sprachlos und verzweifelt. Denn ich hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte, schließlich ging ich doch noch zur Schule und hatte kein Geld.“ Alice Fink (Name von der Redaktion geändert) ist 15 Jahre alt, selbst noch ein halbes Kind. Nichtsdestotrotz erwartet sie in einem Monat Nachwuchs. „Meine Mutter war natürlich auch schockiert. Wir hatten einen schlimmen Streit. Dennoch stand für mich fest, dass ich das Kind bekommen werde. Eine Abtreibung kam für mich nie in Frage“, betont Fink und streichelt behutsam über ihren Bauch. Mittlerweile freut sich ihre Mutter auch auf die Rolle als Oma. „Und mein Freund steht voll hinter mir. Wir haben kürzlich das Zimmer ausgemalt und ein Bekannter schenkte uns ein Kinderbettchen. Im Moment leben wir beide bei meiner Mama. Das Geld ist halt äußerst knapp“, erzählt die 15jährige.

Junge Frauen wie Fink brauchen jede Unterstützung, die sie kriegen können. Deswegen entschloss sich die Hebamme Uschi Reim-Hofer dazu, die Anlaufstelle „YoungMum“, also „Junge Mutter“ (www.young-mum.at, Tel.: 01/400 884 400), in Wien ins Leben zu rufen. Seit dem Jahr 2003 betreuen sie und ihr Team, bestehend aus Hebammen, Gynäkologen, Sozialpädagogen, Psychologen und einer Ernährungsberaterin, junge Frauen unter zwanzig Jahren sowohl während der Schwangerschaft als auch zwölf Monate über die Geburt hinaus. „Jährlich werden in unserem Land mehr als 1.700 Säuglinge von jugendlichen Müttern auf die Welt gebracht. Trotzdem ist unser Prinzip der ganzheitlichen Betreuung hierzulande einmalig“, erklärt Reim-Hofer. „Dabei brauchen diese Mädchen dringend Unterstützung. Manche von ihnen stammen aus einem schwierigen familiären Umfeld. Andere wieder bekommen Rückhalt von ihren Verwandten. Deswegen wird bei uns jeder individuell beraten und wir binden auch das soziale Nahfeld der jungen Frauen ein.“

Mehr als 1.800 Sprösslinge sind mit Hilfe von „YoungMum“ bereits zur Welt gekommen. Dabei ist Reim-Hofer eines wichtig. „Ich möchte mit diesen Vorurteilen aufräumen, von wegen junge Mütter seien dumm oder verwahrlost. Die Mädchen berichten mir oft, dass sie in der Öffentlichkeit angefeindet werden. Das belastet sie noch mehr und sie schämen sich. So etwas bringt mich auf die Palme, denn diese Mädchen haben häufig viel durchgemacht. Wir müssen anerkennen, mit welcher Reife sie diese große Herausforderung meistern.“

Dass die jungen Frauen ihren Altersgenossinnen voraus sind, ist beim Besuch des Zentrums „YoungMum“, das sich in der Wiener Alsgasse 6 befindet und zum Krankenhaus Göttlicher Heiland gehört, sofort erkennbar. Wie ein Wirbelwind fegt das kleine Mädchen durch den Raum. Im April wird sie drei Jahre alt. Und obwohl sie keine Sekunde ruhig sitzen bleiben kann, ist ihre Mutter die Gelassenheit in Person. „Ich war 19 Jahre alt und wollte gerade eine Stelle als Kindergarten-Assistentin antreten, als ich schwanger wurde. Das warf mein ganzes Leben über den Haufen. Ich habe geheult und mit mir gerungen, was ich jetzt machen soll. Doch als ich beim Ultraschall ihr Herz schlagen sah, stand für mich augenblicklich fest, dass ich sie behalten möchte“, erinnert sich Nathalie Blühmann. „Ich weiß auch, wie es zur Schwangerschaft kam. Meinem damaligen Freund und mir ist das Kondom eingerissen. Ich habe zwar sofort die Pille danach genommen, aber da mein Eisprung schon eingesetzt hatte, wurde ich trotzdem schwanger.“ Mit ihrem Partner ist die heute 23jährige nicht mehr zusammen. „Ich denke, er war einfach noch nicht dazu bereit, Vater zu werden. Wir hatten dann auch eine schlimme Auseinandersetzung. Da stand für mich fest, dass er in meinem Leben nichts mehr verloren hat.“ Zwar sieht der Kindsvater seine Tochter regelmäßig, doch nur wenn seine Mutter dabei ist. „Bis heute spreche ich kein Wort mit meinem Exfreund“, berichtet Blühmann.

Auch Karolina Kocevski hat keinen direkten Kontakt mehr zum Vater ihres Kindes. „Er lebt in Chile und war nur kurzzeitig zum Arbeiten in unserem Land. Wir haben bloß einmal miteinander geschlafen. Als er von meiner Schwangerschaft erfuhr, war er nicht gerade begeistert“, erzählt die heute 20jährige. Sie selbst war aber über die Nachricht auch ziemlich schockiert. „Ich bemerkte erst in der 32. Woche, dass ich ein Kind bekomme. Denn ich hatte weiter meine Menstruation. Eines Tages sagte meine Mutter zu mir, ‚Das sieht aber wie ein Schwangerschaftsbauch aus.‘ Der Frauenarzt hat mir dann den Verdacht bestätigt. Ich konnte es zunächst gar nicht glauben. Bei ‚YoungMum‘ haben sie mir erklärt, dass die Psyche extrem viel verdrängen kann.“ Ganz so wie bei Menschen mit einer Essstörung, die sich im Spiegel immer viel dicker wahrnehmen, als sie tatsächlich sind. In der Zwischenzeit ist Kocevskis Bub vier Monate alt und seine Mama will sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen.
Die 15jährige Fink kann es unterdessen gar nicht erwarten, ihren Sprössling endlich in Händen zu halten. „Klar, es wird mein Leben komplett auf den Kopf stellen. Manchmal weine ich auch, weiß nicht, wie ich das alles bewerkstelligen soll. Aber dann sage ich mir, ich bin nun nicht mehr nur für mich verantwortlich. Glücklicherweise bekomme ich hier bei ‚YoungMum‘ eine großartige Unterstützung. Bald beginnt mein Geburtsvorbereitungskurs und danach werde ich den Ernährungslehrgang belegen“, erklärt Fink.

All diese Angebote kosten Geld. Um „YoungMum“ finanzieren zu können, ist das Krankenhaus Göttlicher Heiland auf Spenden angewiesen.

Spendenkonto: YoungMum,
Bank Austria
IBAN: AT68 1200 0515 1611 1711
BIC: BKAUATWW. 
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