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Ausgabe Nr. 10/2017 vom 07.03.2017, Fotos: Judith Maria Trölß
Seit 20 Jahren putzt Frau Erni das Gotteshaus.
Pfarrer Josef Rennhofer, 47: „Frau Erni ist uns eine ganz große Hilfe. Die Begeisterung, mit der sie unsere Kirche
sauber hält, ist ihr anzusehen.“
„Ich halte das Haus unseres Herren sauber“
Dass die goldenen Engel und Heiligenfiguren in der Stadtpfarrkirche von Waidhofen an der Thaya (NÖ) glänzen, ist der Verdienst von Ernestine Litschauer. Die Pensionistin ist die Putzfrau des Herrn.
Ja, ich möchte schon in den Himmel kommen“, sagt Ernestine Litschauer. Allein der sanfte Blick ihrer braunen Augen lässt vermuten, dass sich die 76jährige berechtigte Hoffnungen machen darf. Aber „Erna“, wie sie in ihrem Heimatort Matzles (NÖ) von allen genannt wird, kann auch etwas vorweisen, wenn sie einmal vor dem Herrn stehen wird. „Zuerst war ich bei der Katholischen Jugend, dann bei der Katholischen Frauenbewegung und seit 15 Jahren bin ich Kommunionsspenderin“, sagt die gläubige Christin, die, während sie erzählt, einen Kübel Wasser einlässt. Das wäre der nächste Punkt auf der Habenseite, wenn es um die Frage „hinauf oder hinunter“ geht. Denn seit 20 Jahren putzt die Seniorin die Stadtpfarrkirche von Waidhofen an der Thaya (NÖ) um Gottes Lohn.

„Die ersten fünf Jahre haben mir noch zwei Kolleginnen geholfen, aber die sind wegen Krankheit ausgefallen“, erinnert sich Litschauer, während sie einen Fetzen auswringt und gleich darauf mit ihrem Werk beginnt. Das zunächst aus dem etwa 40 Meter langen und 15 Meter breiten Kirchenboden besteht. Wie ein Pendel lässt sie den Stiel von links nach rechts gleiten und hinterlässt eine dabei glänzende Bahn feuchter Sauberkeit. „In der kalten Jahreszeit wird viel Schmutz hereingetragen. Da wische ich mindestens einmal im Monat die Kirche auf“, sagt die 76jährige. Natürlich spart sie den Raum zwischen den Bänken nicht aus. Den sie auf den Knien mit Schmierseife bearbeitet, bis auch der letzte Fleck verschwunden ist. Alleine für das Aufwischen des Bodens benötigt die „Putzfrau des Herrn“, wie sich die Niederösterreicherin selbst bezeichnet, etwa zwei Stunden. „Und jetzt, in der Fastenzeit, muss ich mindestens zwei Mal in der Woche sauber machen. Durch die Kreuzwegandachten und die vielen Festlichkeiten wird mehr Schmutz hereingetragen als sonst.“

Bis vor zwei Jahren hatte die Seniorin nach der Osternachtsfeier am Karsamstag noch eine Fleißaufgabe zu erledigen. „Alle Besucher bekommen Kerzen, von denen das Wachs hinuntergetropft ist.“ Das Litschauer mühsam mit einer Spachtel wegkratzen musste. „Aber das Problem hab‘ ich nicht mehr.“ Aber nicht, weil es keine Osternachtsfeier mehr gibt, sondern „weil jetzt tropffreie Kerzen verwendet werden“, lacht Litschauer.

Aber auch ohne Wachs gibt es für sie viel zu tun. „Die Engel sind auch schon ein bisschen staubig“, sagt sie, in der vierten Reihe auf der rechten Seite sitzend, und schaut prüfend nach oben auf den Altar. „Von der Position aus hab‘ ich den besten Überblick. Da sehe ich alles ganz genau.“ Litschauer schnappt sich eine Leiter und klettert, ohne zu zögern, nach oben, bis sie auf dem Altar steht und die goldenen Figuren sowie Heiligenbilder mit einem Mikrofasertuch wieder zum Glänzen bringt. Dabei macht sie auch nicht vor sensiblen Körperstellen halt. „Jesus setzt bei mir niemals Staub an. Wenn es notwendig ist, wische ich natürlich auch über sein Hinterteil“, schmunzelt die Pensionistin.

Etwa sechs Stunden benötigt sie für ihre Reinigungsrunde. Damit sie ihre Arbeit ordentlich erledigt, zahlt sie sogar Geld aus eigener Tasche dazu. „Damit ich Spinnweben abkehren kann, hab‘ ich mir einen langen Besen gekauft, den ich ausziehen kann“, sagt sie und zeigt das
Teleskopgestänge, das ihr eine Reichweite von drei Metern verschafft.

Obwohl Litschauer noch recht rüstig wirkt, ist ihr bewusst, dass sie nicht ewig auf den Knien und auf der Leiter für Sauberkeit sorgen wird können. „Aber solange ich noch kann, putze ich die Kirche. Ich schaue mich jetzt schon ein bissl um, dass eine jüngere einmal meine Arbeit übernehmen kann, aber das ist halt schwierig“, sagt sie und runzelt sorgenvoll die Stirn. „Ich hab‘ schon einige Frauen gefragt, ob sie mir nicht helfen möchten. Die erste Frage von allen Damen war: ‚Wie viel Geld kriege ich denn?‘ Danach hab‘ ich nicht mehr weitergefragt und mir gedacht, dann mach‘ ich das halt weiterhin zur Ehre Gottes.“

„Die Frau Erni ist uns eine ganz große Hilfe“, sagt Josef Rennhofer, der Pfarrer von Waidhofen. „Es ist ihr anzusehen, wie gern sie die Kirche putzt, dass sie mit Begeisterung bei der Sache ist“, streut ihr der Geistliche Rosen.

„Der Herr Pfarrer sagt oft ‚Vergelt‘s Gott‘ und darüber freue ich mich, aber ich lasse mir für die Arbeit nichts schenken“, sagt Frau Erni bescheiden. „Mein Dank ist, wenn die Kirchgänger sagen, sie fühlen sich wohl in dieser sauberen Kirche“, erzählt sie nach getaner Arbeit vor dem Altar. Zwar rechtschaffen müde, aber zufrieden verlässt sie mit einem Kreuzzeichen das Gotteshaus.
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