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Ausgabe Nr. 10/2017 vom 07.03.2017, Foto: actionpress
Hugh Jackman: "Nachdem die letzte Szene des aktuellen Filmes im Kasten war habe ich mir ein ordentliches Essen und ein Bier gegönnt."
„Ich würde gern in die Zukunft schauen können“
Er fährt ein letztes Mal seine metallenen Krallen aus. Mit „Logan – The Wolverine“ endet die erfolgreiche Filmreihe, in der Hugh Jackman, 48, einen Mutanten verkörpert, der sich selbst heilen kann. Der Film ist derzeit in unseren Kinos zu sehen. Der Abschied von dieser Rolle fiel dem Australier schwer.
Herr Jackman, Sie haben über einen Zeitraum von 17 Jahren mehrfach den Mutanten „Wolverine“ verkörpert, der Selbstheilungskräfte hat und metallene Krallen als Waffe einsetzen kann, die bei Bedarf aus seinen Handrücken ausfahren. Ihre Auftritte waren stets von Erfolg gekrönt, warum hören Sie nun auf?
Weil ich acht Filme lang diese Rolle verkörpert habe und es sich nun gut und richtig anfühlt, diesen Charakter zu einem Ende zu bringen. Ich bin aber zum Schluss noch ein Mal tiefer in den „Wolverine“ eingetaucht, als ich es jemals getan habe. Nun ist es Zeit, die Party zu verlassen. Es ist hart, auf Wiedersehen zu sagen, aber es ist die richtige Entscheidung.

Wolverine ist ein Kind der 70er Jahre. War das auch Ihre Zeit?
Ich bin im Jahr 1968 geboren, aber ich identifiziere mich mehr mit den 80er Jahren. Mit der Zeit, in der ich die Mittelschule besucht habe. Da fühlte ich zum ersten Mal so etwas wie Unabhängigkeit. Mir gefiel auch die Mode besser und ich hörte Musik von „Wham“, Rick Astley und „A Flock of Seagulls“.

Waren Sie ein guter Schüler?
Ja, obwohl ich immer erst auf den letzten Drücker gelernt habe. Es reichte, wenn ich am Vorabend einer Prüfung büffelte. Allerdings hielt mein Wissen nicht länger als die nächsten 24 Stunden an. Für einen Schauspieler ist das hilfreich, weil sich oft in letzter Minute Textänderungen ergeben. Ich habe kein Problem, den neuen Text binnen weniger Stunden zu lernen.

Als „Wolverine“ besitzen Sie eine übernatürliche Fähigkeit. Gibt es eine Fähigkeit, die Sie nicht haben wollen?
Gedanken lesen. Ich habe keine dicke Haut. Daher möchte ich erst gar nicht wissen, was andere über mich denken.

„Wolverine“ ist aufbrausend. Ist das auch eine Ihrer Charaktereigenschaften?
Grundsätzlich bin ich ein geduldiger Mensch und es braucht relativ lange, bis ich die Ruhe verliere. Meistens geschieht dies bei Nichtigkeiten. Meine Kinder wissen auch genau, wo sie ansetzen müssen, dass mir der Geduldsfaden reißt (lacht).

Würden Sie gern in die Zukunft schauen können?
Ja, denn ich würde gerne wissen, was aus meinen Kindern wird. Als Elternteil mache ich mir Gedanken und ein Blick in die Zukunft würde reichen, um beruhigt zu sein, dass alles in Ordnung ist.

Sie zeigten als „Wolverine“ stets Muskeln. Haben Sie hart dafür trainiert?
Und ob. Den Aufwand habe ich beim ersten Film gehörig unterschätzt. Ich war der Meinung, innerhalb von drei Wochen in Form kommen zu können. Als ich dann bei den Dreharbeiten auftauchte, entschied der Regisseur, alle Szenen, in denen ich mit nacktem Oberkörper zu sehen bin, nach hinten zu verlegen. Sie wurden dann vier Monate später gedreht, als ich Muskeln hatte.

Dieses Ringen um einen gestählten Körper haben Sie immerhin 17 Jahre lang durchgehalten …
Ich bin selbst überrascht, wie lange ich die Diäten und Trainingseinheiten geschafft habe.

Wie haben Sie Ihren muskulösen Körper schließlich erreicht?
Indem ich drei Monate vor Beginn der Dreharbeiten mit dem Training begonnen habe. Dabei habe ich die Wasseraufnahme auf zehn bis 15 Liter pro Tag gesteigert. Gut 36 Stunden vor Drehbeginn habe ich dann gar nichts mehr getrunken. Weil ich aber noch so viel Flüssigkeit in mir hatte, musste ich ständig auf die Toilette. Dabei habe ich rasch vier Kilo an Gewicht verloren.

Haben Sie nach dem Ende der Arbeit beim Essen wieder ordentlich zugelangt?
Ja und ich liebe es. Manchmal wache ich um zwei Uhr in der Früh auf, um zu essen. Dann lege ich mich wieder ins Bett (lacht).

Was haben Sie als Erstes gemacht, nachdem die letzte Szene des aktuellen Filmes „Logan – The Wolverine“ im Kasten war?
Ich habe mir ein ordentliches Essen und ein Bier gegönnt (lacht).

Sie müssen sich immer wieder wegen Hautkrebs behandeln lassen. Sind Sie zu unvernünftig, genießen Sie zu häufige Sonnenbäder?
Unglücklicherweise neige ich genetisch bedingt zu dieser Krankheit. Ich gehöre zum keltischen, hellen Hauttyp und es ist beinahe schon Routine, dass ich mich einer Behandlung unterziehen muss. Hautkrebs ist in Australien weit verbreitet. Bei mir zu Hause gibt es viel Sonnenschein, alles, was ich tun kann, ist, wachsam zu sein, Hautunregelmäßigkeiten rechtzeitig zu entdecken und behandeln zu lassen. Das Problem bei Hautkrebs ist, dass ein Sonnenbrand genügen kann, um 25 Jahre später daran zu erkranken.

Krebs ist immer auch ein Spiel mit dem Tod. Sind Sie religiös?
Nein, aber eine gewisse Spiritualität möchte ich
mir nicht absprechen. Ich glaube daran, dass wir Menschen ein Karma haben und dass unsere guten Taten später einmal belohnt werden. Ich meditiere gern,
das gibt mir Kraft und erdet mich. Es ist, als ob ich dadurch eine festere Beziehung zum Leben herstellen kann.

Was sagt Ihre innere Stimme? Wird es eines Tages für Ihre Anhänger ein Wiedersehen mit „Wolverine“ geben?
Es heißt ja, sag niemals nie. Ich aber sage: Es wird kein Wiedersehen mehr geben. Der letzte Film mit „Wolverine“ ist meines Erachtens ausgezeichnet gelungen. Er erzählt eine schöne Geschichte. Noch etwas anzuhängen würde bedeuten, diese zu Ende gegangene Reise zu besudeln. Das will ich nicht.
ZUR PERSON

Hugh Jackman wurde am 12. Oktober 1968 in der australischen Großstadt Sydney geboren. Ein Jahr, nachdem die Eltern von England nach Australien ausgewandert waren. Jackman hat vier Geschwister. Als Hugh Jackman acht Jahre alt war, verließ die Mutter die Familie und zog nach England zurück, der Bub wuchs beim Vater, einem Buchhalter, auf. Jackman war in der Schule ein guter Sportler, der beim Rugby, Cricket und Schwimmen glänzte. Später studierte er Kommunikationswissenschaften und belegte einen Schauspielkurs. Weithin bekannt wurde er als „Wolverine“ im Jahr 2000 mit dem Film „X-Men“. Jackman ist seit 1996 mit der Schauspielerin Deborra-Lee Furness verheiratet. Das Paar hat zwei Adoptivkinder und lebt in New York (USA).
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