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Ausgabe Nr. 10/2017 vom 07.03.2017, Fotos: duty
Margit Novak pflegt seit zwölf Jahren ihren Mann.
Bilder aus glücklichen Tagen. Schon bei seiner Hochzeit mit Margit war Otto Novak Feuerwehrmann.
„Ich habe gelernt, mit dem Schicksal zu leben“
Zu klagen ist nicht das Naturell von Margit Novak. Dabei hätte die 68jährige allen Grund dazu. Vor zwölf Jahren verunglückte ihr Mann Otto, 69, als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Traisen (NÖ) bei Aufräumarbeiten. Seither pflegt die Pensionistin ihren schwer beeinträchtigten Mann.
Die Kollegen meines Mannes von der Freiwilligen Feuerwehr in Traisen (NÖ) haben mir gesagt, dass Otto einen schweren Unfall hatte. Er ist bei Aufräumarbeiten nach einem Einsatz um acht Uhr mit dem Stapler umgefallen und unter dem schweren Gefährt eingeklemmt worden“, erinnert sich Margit Novak an jenen Anruf, der sie am 2. Dezember 2005 um zehn Uhr am Vormittag erreichte. Von jenem Tag an war nichts mehr so, wie es vorher war.

Gemeinsam mit ihrer Tochter Ulrike raste die besorgte Ehefrau ins Spital nach St. Pölten. „Auf der Unfallstation hat mir der Arzt einfach nur gesagt: ‚Wir haben ihn wieder zusammengeflickt, aber es schaut nicht gut aus‘“, erinnert sich die Pensionistin. Eine Aussage, die die Sorge um ihren Otto, mit dem sie seit 1968 glücklich verheiratet war, nicht kleiner machte. Als sie kurz in die Intensivstation durfte, um ihren Mann zu sehen, stockte ihr der Atem. „Er hat furchtbar ausgesehen. Der Kopf war dick einbandagiert, eine Kanüle kam aus seiner Nase und ein dicker Schlauch aus seinem Hals.“ Otto Novak musste künstlich beatmet werden.

Eine Ärztin informierte die verzweifelte Frau über den Zustand ihres Mannes. „Sie sagte mir, dass er ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Rückenmarksabsplitterung bei dem Unfall erlitten und dass sich viel Blut in seinem Kopf angesammelt habe.“ Es dauerte bis zum 4. Dezember, als sie endlich die erlösenden Worte hörte: „Ihr Mann ist über den Berg.“ Doch sein Körper hatte irreparable Schäden erlitten. Der leidenschaftliche Brandschützer, der seit seinem 15. Lebensjahr der Freiwilligen Feuerwehr angehörte, konnte seine Arme und Beine nicht mehr bewegen. Als wäre das nicht schlimm genug, war auch das Sprachzentrum geschädigt. „Als er aufwachte, konnte er kein Wort sprechen“, erinnert sich Margit Novak.

Schon am 9. Jänner wurde im Spital begonnen, den Patienten zu mobilisieren. „Am 1. März des Jahres 2006 ist Otto dann ins Rehabilitationszentrum Weißer Hof nach Klosterneuburg gebracht worden.“ Fast acht Monate arbeiteten Physiotherapeuten und Logopäden täglich mit dem schwer beeinträchtigten Mann. Doch das war erst der Anfang. Viele Therapien standen an. „Otto musste bis zu 25 Tabletten am Tag einnehmen, er hatte eine Nasensonde und benötigte Sauerstoff, auch ein Teil des Stimmbandes musste weggeschnitten werden“, schildert die Pensionistin, selbst dreifache Mutter und Großmutter. „Als ich Otto am 27. Oktober endlich mit nach Hause nehmen durfte, konnte er langsam und leise sprechen, stehen und meine Hand halten“, erinnert sich die Niederösterreicherin.

Die sich seither aufopferungsvoll um ihren 69jährigen Mann kümmert, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag ist sie für ihren Otto da. „Körperpflege, füttern, aus dem Bett und ins Bett heben“, zählt sie nur einige Tätigkeiten auf, für die der ehemalige Feuerwehrmann die Hilfe seiner Frau benötigt. „Und wenn er in der Nacht Krämpfe in den Beinen bekommt, stehe ich halt auf und massiere ihn“, sagt sie ohne Anflug von Bitterkeit. Neben ihrer Tochter und den beiden Söhnen, die ihr immer wieder zur Seite stehen, ist es vor allem die Hilfe der AUVA, die ihr das Leben etwas leichter macht.

„Durch die Unterstützung der Unfallversicherungsanstalt kann ich mit Otto jedes Jahr drei Wochen in ein Rehabzentrum ins kroatische Rovinj fahren. Dort führen ihn die Pfleger sogar mit dem Rollstuhl ins Meer. Dann fangen seine Augen zu leuchten an. Das liebt Otto sehr“, erzählt die Pensionistin. Auch fünf Therapieaufenthalte im slowakischen Piestany, den Umbau der Wohnung und Therapiegeräte finanzierte der Unfallversicherer. „Dafür bin ich dankbar. Ohne diese Hilfe würde es Otto nicht so gut gehen“, sagt Margit Novak.

Um den sich ihre ganze Fürsorge dreht. Dass sie dabei auf sich selbst manchmal vergisst, bemerkt man, wenn sie in einem Nebensatz erwähnt, dass ihr im Jahr 2012 ein Tumor aus der Brust entfernt wurde und dass sie ständig unter Kreuzschmerzen leidet, was dem vielen Heben geschuldet ist. Dass die Pflege sie an ihre Grenzen treibt, will Margit Novak nicht hören. „Ich habe gelernt, mit dem Schicksal zu leben. Otto ist ja schließlich mein Mann. Er gehört zu mir.“
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