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Ausgabe Nr. 10/2017 vom 07.03.2017, Fotos: Christian Anderl, ÖAMTC/Postl
Rüdiger Maresch, Bernhard Wiesinger
Fahrverbote für eine bessere Luft?
In Stuttgart (D) müssen „Stinker“ künftig bei Feinstaub-Alarm stehen bleiben. In der 600.000-Einwohner-Stadt gibt es ab 2018 Fahrverbote für Diesel-Autos, die nicht der aktuellen Euro-6-Norm entsprechen. Auch alte Benziner dürfen an solchen Tagen nicht fahren. Die norwegische Hauptstadt Oslo will Autos bis zum Jahr 2024 sogar ganz aus der Innenstadt verbannen. In Wien wollen die Grünen jetzt Umweltzonen einführen. Das soll die Luftqualität in der Bundeshauptstadt deutlich verbessern.
JA: Rüdiger Maresch,
Umweltsprecher Grüne Wien


„Wien braucht eine Umweltzone. Fast die Hälfte der Schadstoffe in der Stadt werden von den Autos verursacht. Alles, was aus Dieselautos herauskommt und auch aus manchen Benzinern, verursacht Feinstaub sowie Stick-
oxide und bereitet Gesundheitsprobleme. Das ist je nach Tag unterschiedlich, je nachdem, welches Wetter es gibt. Aber allein im heurigen Jahr wurde der Feinstaub-Grenzwert 19 Mal überschritten. Laut Gesetz dürfen es nicht mehr als 25 sein, dann sind Maßnahmen zu ergreifen. Wir geben jetzt eine Studie beim Umweltbundesamt in Auftrag, die zeigen soll, wo und in welchem Ausmaß eine Umweltzone Sinn macht, welche Autos betroffen sind und welche Übergangszeit es braucht. Andere Städte haben schon einige Erfahrungen mit Umweltzonen, die wollen wir analysieren. Allein in Deutschland gibt es mehr als 50 Städte, in denen an bestimmten Tagen und innerhalb der Zone nur Autos fahren dürfen, die wenig Schadstoffe ausstoßen. Theoretisch kann das 2018 umgesetzt werden. Freiheit ist gut, solange sie nicht die Freiheit der anderen beeinträchtigt. Uns geht es um den Gesundheitsschutz. Vor allem Kinder und ältere Menschen leiden unter dem Feinstaub.“


NEIN: Bernhard Wiesinger,
ÖAMTC-Interessenvertretung


„Den Grünen geht es nicht um die Gesundheit, sonst müssten sie Masken in der U-Bahn verteilen. Dort gibt es die höchste Feinstaubbelastung durch den Bremsabrieb in geschlossenen Tunneln. Den Grünen geht es um ihren Kampf gegen das Auto. Der Großteil des Feinstaubes ist auf den aufgewirbelten Abrieb von Reifen und Bremsen zurückzuführen. Das bekommt man durch Fahrverbote nicht in den Griff, weil das im öffentlichen Verkehr genauso existiert. Wenn das Fahren mit Autos der Euro-Abgasklassen 1 bis 5 verboten wird, betrifft das in Wien und Niederösterreich 420.000 Autofahrer. Geht es nur um die Euroklassen 1 bis 3, sind es immer noch rund 80.000 Das ist eine kalte Enteignung. Von den Grünen wird ein Problem bekämpft, das sie zum Großteil selber schaffen. Hätten wir den Lobautunnel, würde die Südosttangente von einem Gutteil des Schwerverkehrs entlastet. Das Wesentliche sind aber die Ampelschaltungen. Mit einer grünen Welle reduziert sich das Feinstaubaufkommen durch Pkw um bis zu ein Viertel. Bei Stickoxiden sind es bis zu 40 Prozent. Denn die meisten Emissionen entstehen durch den stockenden Verkehr, das Stehenbleiben und Anfahren.“
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