Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 09/2017 vom 28.02.2017, Fotos: picturedesk.com, EZG Frischei/Wilke
Jedes Ei ist gekennzeichnet. Die Ziffer am Anfang zeigt die Haltungsform.

0 Bio-Haltung: Pro Quadratmeter Stallgrundfläche dürfen nicht mehr als sechs Hennen gehalten werden. Zusätzlich müssen jeder Henne mindestens zehn Quadratmeter begrünter Auslauf tagsüber uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Gefüttert wird nur Bio-Futter.
1 Freilandhaltung: Bei der Freilandhaltung können die Hühner ins Freie. Dort stehen ihnen bis zu zehn Quadratmeter pro Tier zur Verfügung. Im Stall gibt es Nester, Sitzstangen und Futtereinrichtungen.
2 Bodenhaltung: Bei der Bodenhaltung leben bis zu neun Hennen pro Quadratmeter in riesigen Hallen. Es sind bis zu vier Ebenen möglich.
3 Käfighaltung: Seit 2012 ist die konventionelle Käfighaltung in der EU verboten. Nun sind nur noch sogenannte „ausgestaltete Käfige“ erlaubt. Hier hat jedes Huhn 750 cm² Platz, das ist ein bisschen größer als ein DIN-A-4-Blatt. Bis Ende 2019 gibt es in unserem Land eine Übergangsfrist. Käfigeier sind hauptsächlich in verarbeiteten Produkten zu finden.
Benjamin Guggenberger, EZG Frischei:
„Der Wintergarten ist mit einem Netz oder Gitter an den Seiten abgeschlossen. Wildvögel haben keinen Zugang.“
Das Oster-Ei kommt aus dem Winter-Garten
Bauern, deren Legehennen länger als zwölf Wochen im Stall sind, dürfen ihre Eier trotzdem als Freiland-Eier verkaufen. Wenn sie ein geschütztes Außengehege, einen sogenannten Wintergarten haben. Denn derzeit steht das Geflügel wegen der Vogelgrippe im ganzen Land unter „Hausarrest“.
Glückliche Hühner, die auf der Weide nach Futter scharren können, sind derzeit bei uns nirgendwo zu sehen. Im ganzen Land steht das Geflügel derzeit „unter Hausarrest“. Seit 10. Jänner gilt das gesamte „Staatsgebiet als ,Gebiet mit erhöhtem Geflügelpestrisiko‘“ und deswegen Stallpflicht. In Vorarlberg, Salzburg oder Oberösterreich sind die Hendln aber teilweise schon länger eingesperrt.
Ein Ende ist nicht abzusehen. Bei mehr als 100 Wildvögeln in fast allen Bundesländern und zwei Betrieben in Vorarlberg und im Burgenland wurde das Virus H5N8 nachgewiesen. „Für den Menschen ist das derzeitige Virus ungefährlich“, sagt ein Sprecher der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). „Bisher ist kein Fall bekannt, bei dem das H5N8-Virus auf Menschen übertragen wurde.“ Doch für viele Vögel ist es hochansteckend. So lange immer noch tote Wildvögel entdeckt werden, besteht die Stallpflicht weiter.
An Freiland-Eiern mangelt es in den Supermärkten aber dennoch nicht. Das Landwirtschaftsministerium hat ihr „Ablaufdatum“ verlängert, zumindest für solche Bauern, die ihren Hühnern einen Wintergarten gebaut haben.
Laut EU dürfen Freiland-Hühner höchstens zwölf Wochen im Stall bleiben. Dann wären aus den Freiland-Eiern Bodenhaltungs-Eier geworden. „Für die Bauern hätte das Einbußen bis zu einem Fünftel bedeutet“, erklärt Benjamin Guggenberger von der EZG Frischei, der größten Frischeier-Erzeugergemeinschaft in unserem Land. Der Ruin für so manchen Bauern.
Während die Landwirte für ein Bio-Ei 18 bis 20 Cent bekommen, sind es für konventionelle Freiland-Eier nur noch zehn bis zwölf Cent, erklärt ein Fachmann. Und für Bodenhaltungs-Eier noch einmal rund ein Fünftel weniger. Jetzt reicht es, wenn die 1,4 Millionen Freiland-Legehühner und die 700.000 Bio-Hendln in einem sogenannten Wintergarten Frischluft schnappen dürfen.
„Er ist mit einem Netz oder Gitter an den Seiten abgeschlossen. Wildvögel
haben so keinen Zugang“, beschreibt Benjamin Guggenberger dieses Außenklima-Gehege. Der Bo-
den muss aus einem Material bestehen, das sich zum Scharren eignet. Und die Fläche muss mindestens so groß sein wie ein Fünftel der nutzbaren Fläche des Stalles. Dann steht der Vermarktung als Freiland-Ei nichts mehr im Weg.
Eine Konsumenten-Täuschung ist das für Benjamin Guggenberger auf keinen Fall. „Die Hühner sind jetzt schon im Wintergarten, wenn es schneit, stark regnet oder die Sonne herunterknallt.“ Deswegen haben viele Eier-Bauern freiwillig in solche Anbauten investiert.
„Rund 90 Prozent der konventionellen Freiland-Betriebe, die für uns produzieren, haben einen Wintergarten“, schätzt Manfred Söllradl, Geschäftsführer von „Die Eiermacher“ in Kremsmünster (OÖ). Bei den Bio-Bauernhöfen sind es sogar alle. Die jetzige Ausnahme-Regelung hält er für „sinnvoll“.
Für jene Landwirte, die kein Außen-Gehege für ihre Legehennen gebaut haben, kann die Stallpflicht bitter enden, wenn die Zwölf-Wochen-Frist überschritten wird. Sie müssen ihre Eier umstempeln, aus „Freiland“ mit der Ziffer 1 wird „Bodenhaltung“ mit der Zahl 2. Die Verpackung dürfen sie zwar beibehalten, aber es muss ein klarer Hinweis auf der Schachtel sein, dass wegen der Geflügelpest die Tiere nicht auf der Wiese sind. Bis zur Aufhebung der Stallpflicht. Dann kommen alle Freiland-Eier auch tatsächlich wieder aus dem Freiland.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung