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Ausgabe Nr. 09/2017 vom 28.02.2017, Fotos: imago, Morri
Rasches Abnehmen durch Verzicht auf wichtige Nährstoffe belastet Gehirn, Herz und Nieren
Eva Maria Bachler, 19, Modell und Studentin – Nie wieder Ananasdiät
„Ich mache öfter Diäten und habe auch schon die Ananas-Diät probiert. Dabei erlaubte ich mir, eine ganze Woche lang ausschließlich drei ganze Ananas am Tag zu mir zu nehmen. Drei Kilo habe ich so innerhalb von sieben Tagen abgenommen. Gesund war das allerdings nicht. Denn als ich nur diese Frucht gegessen habe, begann mir der Mund und das Zahnfleisch zu brennen und der Magen war gereizt. Ich mag Ananas nach wie vor gerne, als Frucht für zwischendurch, aber ganz sicher nicht mehr als Diätprogramm.“
Diäten sind Irrtümer
Dem Winterspeck wird gern der Kampf angesagt. Die Röllchen am Bauch und in der Taille sollen weg, am besten so schnell wie möglich. Radikaldiäten locken mit vermeintlich schnellen Erfolgen. Die wenigsten wissen, wie stark sie ihrem Körper damit schaden und am Ende mehr wiegen werden als vor der Diät.
Die Versprechen klingen wie Musik in den Ohren aller Abnehmwilligen. „Zwei Kilo weg in nur 24 Stunden“, „Flacher Bauch in einer Woche“, „Sieben Kilo in sieben Tagen“. Die Phantasie der Blitzdiäten-Bewerber kennt keine Grenzen.

Gnadenlos spielen sie mit der Hoffnung Übergewichtiger, in kurzer Zeit das zu korrigieren, was über Monate oder Jahre beim Essen falsch gemacht wurde. Die Hoffnung, dieses scheinbar naheliegende Ziel schnell zu erreichen, treibt meist Frauen dazu, ihren Speiseplan von heute auf morgen auf die eine oder andere Weise radikal zu ändern, an Hand komplizierter Tabellen plötzlich „gute“ von „schlechten“ Lebensmitteln zu unterscheiden oder sich nur noch flüssig zu ernähren.

Ärzte und Ernährungsexperten wie Diätologen schlagen ob der nach wie vor beworbenen Blitz- oder Radikaldiäten die Hände über dem Kopf zusammen.

„Solche Diäten sind immer eine große körperliche Belastung. Gleich, mit welchen Gesundheitsversprechen sie beworben werden“, sagt die Diätologin Mag. Caroline Sonnenberg aus Wien (Tel.: 0677/615 34 766, www.praxis-ernaehrung.at). Friedrich Hoppichler, Präsident der österreichischen Adipositasgesellschaft, formuliert es noch schärfer. „Jede Art von Blitz-Diät stellt eine Körperverletzung für den Organismus dar.“

Tatsächlich leidet der Körper unter jeder Diät, die einen schnellen Abnehmerfolg verspricht. Bei einem gesunden Gewichtsverlust schwinden zwischen einem halben und einem Kilo in einer Woche. Alles, was darüber liegen soll, geht auf Kosten der Lebensqualität und sogar der Gesundheit.

Den Organen fehlen wichtige Nährstoffe

„Ich gebe ein Beispiel, eine Diät, bei der am Tag nicht mehr als 800 Kalorien aufgenommen werden. Ein gesunder Organismus braucht zirka 1.300 Kalorien, abhängig von Alter, Größe und Geschlecht, um seine Aufgaben zu erfüllen. Bekommt er weniger, fehlen ihm die Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate, um zum Beispiel das Gehirn ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen. Wer so eine Diät macht, wird merken, dass er sich weniger konzentrieren kann und schneller müde wird. Die Nährstoffe fehlen auch dem Herzen, dem Magen und Darm und so weiter. Dauert solch eine Diät zu lange, können Zellen nicht ausreichend versorgt werden und absterben“, warnt die Diätologin Sonnenberg.

Bei Blitzdiäten schwindet nicht das Fett

Das Weglassen ganzer Nahrungsmittelgruppen, zum Beispiel Kohlenhydrate oder Milchprodukte, stufen Experten als gefährlich ein. „Das kann den Knochen schaden, die Nieren stark belasten oder den Muskeln gefährlich werden. Unser Körper ist ‚schlau‘. Fehlt es ihm an Nährstoffen über die Nahrung, holt er sich intern, was er braucht, um nicht zu verhungern. Er baut daher zuerst die ‚entbehrlichen‘ Muskeln ab. Auf der Waage zeigt sich das zwar mit einem Minus, doch der Betroffene hat nicht Fett verloren. Das ist in jeder Hinsicht schlecht“, sagt die Expertin.

Der berühmte Jo-Jo-Effekt nach einer Blitz-Diät ist wie das Amen im Gebet. Er kommt bestimmt und Sonnenberg erklärt, warum. „Mit einer Radikaldiät wird der Körper in dem Glauben gelassen, es herrsche Hungersnot. Darauf reagiert er und lässt den Stoffwechsel in eine Art Ruhezustand fallen, verbraucht nur minimal Energie. In dem Moment, in dem er wieder mehr Energie in Form von Essen bekommt, als für den ‚Ruhemodus‘ notwendig ist, speichert er sie sofort in Fettzellen, um für die nächste ‚Hungersnot‘ gewappnet zu sein. Der Betroffene nimmt stark zu, sobald er nur etwas mehr isst als während der Radikal-Diät. Auch aus diesem Grund ist jede dieser Diäten eine Sackgasse.“

Der Genuss am Gaumen muss bleiben

Überflüssige Kilos lassen sich natürlich auch gesund abbauen. „Dazu ist eine Essensumstellung notwendig und das bedeutet nicht, Müsli und Tofu für jedermann. Niemand muss essen, was ihm nicht schmeckt. Essen muss ein Genuss für den Gaumen bleiben, auch beim Abnehmen. Eine gesunde Ernährung ist weder schwer noch grauslich. Ob berufstätig, Pensionist, Mutter oder Schüler, für jeden Alltag lässt sich das richtige Essen zusammenstellen. So, und nur so ist Ab-nehmen für Körper und Geist gesund.“

Vier Diät-Beispiele, die unsere Gesundheit und Lebens qualität beeinträchtigen

1. Die Trennkost – unnötiger Aufwand
Prinzip: Eiweiß- und kohlenhydrathaltige Lebensmittel nicht gemeinsam verspeisen, weil das den Körper beim Verdauen überfordere.
Expertenmeinung: Wissenschaftlich nicht haltbar. Der Körper kann beides gleichzeitig verdauen, ohne Verzögerung oder Gärung im Darm. Die Senkung des Blutdruckes und Gewichtsreduktion sind auf die vegetarisch-orientierte Lebensweise zurückzuführen, nicht auf das Trennprinzip.

2. Glyx-Diät – komplizierte Berechnungen
Prinzip: Es werden Lebensmittel gegessen, die den Blutzuckerwert nach dem Essen niedrig halten. Hunger werde vermindert und in Folge weniger gegessen.
Expertenmeinung: Die Studien sind widersprüchlich. Gefahr der leichten Unterzuckerung, was den Heißhunger erhöht. Es kursieren verschiedene Referenzwerte, nach denen der Glykämische Index (GI) berechnet wird. Die Berechnung des GI einer ganzen Mahlzeit ist kompliziert und führt schnell zu falschen Ergebnissen.

3. Atkins-Diät – belastet die Nieren
Prinzip: Erlaubt sind viel Fleisch, Fett, Eier und Käse und wenig Brot, Nudeln, Reis, Gemüse und Obst.
Expertenmeinung: Anfänglich bessere Gewichtsabnahme als mit Mischkostdiäten. Langfristig aber nicht. Zu viel Eiweiß im Essen. Auf lange Sicht steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenbelastung, zu hohe Kalziumausscheidung, zu viel Harnsäure.

4. Zitronensaft-/Ananasdiät – eklatanter Nährstoffmangel
Prinzip: Es wird über Tage nur Zitronen- oder Ananassaft getrunken. Die Früchte sollen Fett abbauen.
Expertenmeinung: absurd und gesundheitsgefährdend. Es fehlen Eiweiße, essenzielle Fette, komplexe Kohlenhydrate, Ballaststoffe, viele Vitamine, Mineralien und Spurenelemente.


Lesen Sie nächste WOCHE:
Wie sich der Körper gegen Diäten wehrt und ein gesundes Abnehmprogramm aussieht.
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