Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 07/2017 vom 14.02.2017, Fotos: imago
Schon in der Stalin-Ära griff Alla Levushkina zum ersten Mal zum Skalpell.
Insgesamt hat die 89jährige mehr als 10.000 Menschen operiert.
Sie wird 90, operiert jeden Tag und denkt nicht ans Aufhören
Die Ärztin Alla Levushkina gilt mit ihren 89 Jahren als die älteste Chirurgin der Welt. Jeden Tag tritt die rüstige Dame ihren Dienst stets um acht Uhr in der Früh im Spital von Rjasan, 200 Kilometer südlich von Moskau (Russland) an.
Dann begrüßt die zarte Frau ihre Patienten und steht ab elf Uhr frisch und munter im Operationssaal. Genau wie vor 68 Jahren. Schon im Jahr 1949 kurz nach dem Krieg und noch in der Stalin-Ära griff sie zum ersten Mal zum Skalpell. Im Mai dieses Jahres wird die Methusalem-Chirurgin sogar 90 Jahre alt, aber selbst dann will sie sich nicht zur Ruhe setzen.

„Ich mag es, Menschen zu helfen und ihnen Besserung zu verschaffen. Wenn ich nicht mehr zum Dienst erscheine, wer wird dann operieren?“, fragt sie besorgt. Schließlich ist das öffentliche russische Gesundheitssystem unterfinanziert und leidet darunter, dass Ärzte und Pfleger heutzutage woanders mehr verdienen. Somit können sich Chirurgen aus der Sowjetzeit nicht so einfach zur Ruhe setzen. Bis heute liegen täglich etwa vier Patienten bei ihr unterm Messer. Insgesamt, schätzt die 89jährige, „habe ich mehr als 10.000 Menschen operiert“. Mehr als 200 im vorigen Jahr und nicht einer sei ihr gestorben. Denn ihr Geist ist hellwach und ihre Hände flink. Dabei ist die betagte Ärztin körperlich kein Herkules. Sie ist zart und mit nur 150 Zentimeter Körpergröße eher klein. So klein, dass sie sogar ein spezielles Trittbrett benötigt, um ihre Patienten auf dem Operationstisch überhaupt zu erreichen.

„Ein Patient dachte einmal, sie sei zu klapprig. Da hat Alla ihm mit ihren festen Fingern in den Bauch gestoßen. Danach waren alle Zweifel verflogen“, berichtet ein Kollege der Weltrekord-Chirurgin amüsiert. Und selbst nach Dienstschluss geht Alla Levushkina nicht die Luft aus. Vier Mal in der Woche besucht sie abends ein Theater. Danach fährt sie in ihre kleine Wohnung, die sie mit ihrem behinderten Neffen bewohnt, den sie liebevoll pflegt. „Außerdem habe ich noch acht Katzen, um die ich mich kümmern muss“, erzählt die kinderlose Frau, die wegen ihrer Liebe zum Skalpell auch nie geheiratet hat.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung