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Ausgabe Nr. 05/2017 vom 31.01.2017, Fotos: Ullrich
In seinem Ausstellungsraum präsentiert Halwachs einige seiner schönsten Werke.
Heinz Halwachs hat keine Arme. Trotzdem
malt er kunstvolle Bilder.
Zeitungsberichte aus seiner Kindheit hat sich der Maler sorgsam aufbewahrt. Schon damals sorgte der Bub für Schlagzeilen.
Präzise Pinselstriche mit den Füßen ausgeführt
Der Burgenländer Heinz Halwachs ist eines von 20 Contergan-Opfern in unserem Land. Da er ohne Arme zur Welt kam, entwickelte er eine außergewöhnliche Fähigkeit. Der 55jährige malt mit seinen Füßen wunderschöne Landschaftsbilder und Stillleben.
Meine Mama gab mir diesen Namen, weil sie mir damit das Leben erleichtern wollte“, erzählt Heinz Halwachs von der Sorge seiner Mutter. „Sie hat nach einem möglichst kurzen Vornamen gesucht. ‚Damit sich der Bub nicht so anstrengen muss, wenn er einmal etwas unterschreibt‘, hat sie gesagt“, erzählt der Burgenländer aus Loipersdorf.

Diese Worte machen erst dann Sinn, wenn man ihn sieht. Der 55jährige ist einer von 20 anerkannten Contergan-Opfer, die es in unserem Land gibt. „Mama hat neun von diesen Tabletten genommen, die ihr der Arzt verschrieben hat“, sagt Halwachs. Diese neun Tabletten haben das Leben ihres Sohnes auf dramatische Weise beeinflusst, noch bevor er das Licht der Welt erblickte. Denn das Medikament schädigte seine Erbsubstanz. Halwachs kam ohne Arme zur Welt. Wenn sie gewusst hätte, wie gut ihr Sohn mit seiner Einschränkung zurechtkommt, hätte sie ihm wahrscheinlich zwei lange Vornamen gegeben. Er sitzt auf dem Tisch seines Ateliers und hat einen Pinsel zwischen die Zehen geklemmt. Den führt er mit einer Präzision über das Papier, wie es die meisten nicht mit den Händen können.

„Der Flusslauf und der Wald sind eigentlich fertig. Jetzt fehlt nur noch die Brücke“, sagt der Künstler. Immer wieder wechselt sein rechter Fuß zwischen Blatt und Malkasten, in dem er die Farben mischt. Mit schnellen Strichen entstehen Brücke und Geländer. Dessen Verstrebungen nur wenige Millimeter lang sind, die er aber beim ersten Ansetzen mit dem Pinsel im exakt gleichen Abstand zu Papier bringt. Nach wenigen Minuten steht das Bauwerk in der Landschaft. „Jetzt schau‘ ich das Bild ein paar Wochen nicht an. Wenn es mir dann noch gefällt, male ich es fertig.“ Und wenn nicht, „dann wird es verheizt“, lacht Halwachs.

Schon als Kind lernte der kleine Heinz schnell, die Füße als Ersatz für seine Hände zu gebrauchen. „Ich habe schon als Baby das Fläschchen mit den Füßen gehalten.“ Später war es die Tasse, die er sich mit den Füßen zum Mund führte und mit den Füßen lernte er in der Schule auch schreiben. Vor Spott und Hohn seiner Mitschüler blieb der Bub verschont. Im Gegenteil. „Meine Schulkollegen haben mich von daheim abgeholt und sich dann darum gestritten, wer meine Schultasche tragen darf“, erinnert sich Halwachs. Vielleicht war es auch seine Geschicklichkeit, die ihm den Respekt seiner Altersgenossen einbrachte. „Ich habe ganz leicht den Fuß zum Mund gebracht“, berichtet der Burgenländer. „Als dann die anderen versucht haben, mir das nachzumachen, haben ihre Verrenkungen so lustig ausgeschaut, dass wir alle herzhaft lachen mussten.“
Um ihm die beste Ausbildung zu ermöglichen, schickten die Eltern ihren Sohn nach zwei Jahren in eine Wiener Schule, in der der Unterricht auf die speziellen Bedürfnisse bewegungseingeschränkter Kinder abgestimmt war. „Ich konnte leider nur einmal im Monat nach Hause fahren. Da habe ich oft Heimweh gehabt“, erinnert sich der 55jährige. Sein Talent wurde aber damals schon ersichtlich. „Im Malen war ich der Klassenbeste.“

Doch nach der Schule ging der Ernst des Lebens für ihn los. „Eine Arbeit oder Lehrstelle war nicht zu bekommen. Kein Chef wollte jemanden ohne Arme einstellen“, erinnert sich Halwachs an eine schwere Zeit, die erst enden sollte, als im Jahr 1980 der Berufsschuldirektor Josef Kuzer aus Pinkafeld (B) in sein Leben trat. „Er war akademischer Maler und ist alle 14 Tage zu mir gekommen, um mich zu unterrichten. Bei ihm lernte ich fünf Jahre lang, was Perspektive ist, wie Lichtstimmungen eingesetzt werden und die Proportionsregeln zu beachten.“ Im Jahr 1984 organisierte ihm sein Lehrer die erste Ausstellung in Bad Tatzmannsdorf (B). „Ich habe dort etwa 50 meiner Bilder präsentiert. Die meisten sind gekauft worden. Ein Auerhahn hat sogar 8.000 Schilling eingebracht“, erinnert sich der Fußmaler an diesen Erfolg, der ihn motivierte weiterzumachen.

Im Ausstellungsraum seines Hauses zeigt er eine Auswahl seiner Werke. Angefangen von Stillleben über Landschaften und Porträts bis hin zu abstrakten Gemälden deckt er mit seiner Kunst viele Gattungen der Malerei ab. „Wenn ich realistische Bilder male, fotografiere ich meist das Objekt und male es dann in meinem Atelier. Ich kann ja die vielen Utensilien nicht nach draußen mitschleppen“, erklärt er. Bis zu 50 Werke produziert der Künstler im Jahr, vor allem mit Aquarell- und Acrylfarben. „Mit Öl kann ich nicht malen, von den Dämpfen bekomme ich Kopfschmerzen.“

Halwachs hat zwar eine außergewöhnliche Kunstfertigkeit erreicht, dass der Herrgott Füße aber eher für andere Tätigkeiten erdacht hat, musste er erstmals zu Weihnachten zur Kenntnis nehmen. „Nachdem ich 20 Weihnachtskarten gemalt hatte, hat mein Nacken so geschmerzt, dass ich zum Arzt musste“, berichtet der Künstler. Einen Gang zurückschalten will er aber trotzdem nicht. „Vielleicht verbrenne ich in Zukunft einfach weniger Bilder“, lacht Halwachs.

Natürlich übernimmt der Burgenländer auch Auftragsarbeiten. Ein 30 x 40 Zentimeter großes und ge-
rahmtes Bild kostet 150,– Euro. Andere Formate können vereinbart werden. Tel.: 03359/2347-13.
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