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Ausgabe Nr. 04/2017 vom 24.01.2017, Fotos: Ullrich
Seit acht Jahren baut der HTL-Schüler an seiner Mini-Schipiste.
Mit viel Liebe zum Detail wurde das Schigebiet gestaltet.
Kevin mit Mutter Claudia, 43, und Vater Helmut, 48.
„Meine Schipiste ist im Garten“
Weit muss Kevin Pobatschnig nicht gehen, wenn er in ein Schigebiet will. Der 17jährige Kärntner hat eines in seinem Garten. Auf 15 Pistenmetern befindet sich alles, was das Schifahrerherz begehrt.
Zuerst hat die Mama ein bisschen um ihre Blumen getrauert“, lacht Kevin Pobatschnig aus Radenthein (K). Denn die sommerliche Farbenpracht ihrer Rosen, Strauchmargeriten und Astern musste weichen, weil es ihr Sohn im Winter schön weiß haben wollte. Ist es in Radenthein in der kalten Jahreszeit ohnehin meist, aber wer sich ein Schigebiet in den Garten stellt, benötigt halt Platz. Und genau das wollte Kevin. Zumindest ein Modell davon. Vor acht Jahren begann der 17jährige HTL-Schüler mit Hang zu ungewöhnlichen Modellbau-Projekten mit der Realisierung seines Traumes. Damals noch mit Hilfe seines Vaters. Mittlerweile erledigt der junge Mann die Erweiterung und Wartung seiner „Garten-Streif“ in Eigenregie. Und der Aufwand, den Kevin für seine 15 Pistenmeter betreibt, ist beachtlich. Sogar den Schnee produziert er selbst.

„Mit dieser Schneelanze geht das ganz einfach“, sagt der 17jährige. „Die arbeitet nach dem selben Prinzip wie eine Schneekanone, benötigt aber weniger Wasser und Energie.“ Das Wasser dafür kommt aus dem Gartenschlauch, Druckluft erzeugt der Kompressor im Keller. „In der Düse wird zerstäubtes Wasser sowie die zusammengepresste Luft ausgeblasen. Die Luft dehnt sich nun aus und kühlt ab“, erklärt er, nachdem er das Gerät angeschlossen und eingeschaltet hat. Mit einem leisen Zischen entweicht das Wasser-Luft-Gemisch und fällt in winzigen Kristallen zu Boden. 250 Liter Wasser verwandelt er damit pro Stunde in Flocken. „Wenn ich im November mit der Präparierung beginne, habe ich nach sechs Stunden genug Schnee für die gesamte Piste.“ Sofern es kalt genug ist.

Wie die „Großen“ hat auch Pobatschnigs Mini-Schigebiet mit warmen und schneearmen Wintern zu kämpfen. „Im vergangenen Jahr sind sich nur 30 Betriebstage ausgegangen, weil es so warm war.“ Spendiert aber Frau Holle viel von der natürlichen weißen Pracht, bedeutet es für den Modellbauer noch mehr Arbeit. „Dann muss ich den ganzen Schnee aus der Piste schaufeln.“

Zu einem echten Schigebiet gehören natürlich auch Transportmittel, mit denen die Gäste vom Tal auf den Gipfel gebracht werden. Ein Schlepplift, zwei Sessellifte und eine Gondelseilbahn stehen zu diesem Zweck bereit. „Bis auf die Sessel und die Gondel hab ich alles selbst gebaut“, sagt Kevin. Selbst die Stützpfeiler wurden von Hand gefertigt. Sie waren sogar eine besondere Herausforderung. „Ich hab die Abstände ganz genau ausmessen müssen. Bei nur fünf Millimeter Abweichung ist das Seil schon aus den Rollen gesprungen“, erinnert sich der 17jährige an stundenlange Tüftelei. „Maßband und Wasserwaage waren da wochenlang meine besten Freunde“, lacht der Kärntner.

Aber auch kleine Details, auf die kaum jemand achten würde, hat der Schüler selbst gebaut. „Die Bügel der Schlepp-Lifte sind aus Messingdraht gelötet“, zeigt der Kärntner die filigranen Metallteile. „Fertig gekauft habe ich eigentlich nur die Figuren, die kleinen Schneekanonen und die Gondel.“ Eine besondere Herausforderung stellte für ihn die Verkabelung dar. „Das Wissen, wie ein Relais angeschlossen wird oder ein Gleichstrommotor funktioniert, habe ich mir aus dem Internet angeeignet.“
Bleibt nur noch die Frage, warum er sich überhaupt eine Mini-Schipiste in den Garten stellt. „Das bin ich schon oft gefragt worden“, lacht Kevin. „Es ist einfach passiert. Am Anfang hat es nur Spaß gemacht, mit Papa im Garten zu basteln. Dann ist in mir das Interesse erwacht. Ich habe immer Ideen für Verbesserungen oder Erweiterungen. Dann gehe ich in den Keller und versuche das zu verwirklichen.“

Mittlerweile hat der HTL-Schüler dort eine CNC-Fräse im Wert von etwa 1.000 Euro stehen, mit der er sogar Aluteile bearbeiten kann.

Im Keller seines Elternhauses tüftelt Kevin bereits an neuen Plänen. Sein nächstes Projekt ist eine Doppelsesselbahn im Maßstab 1:12. Das Vorbild stand einst am Verditz in den Kärntner Nockbergen. Damit stößt er aber in andere Dimensionen vor. „Die Bahn soll einmal mindestens 100 Meter lang sein“, sagt der 17-jährige. Dabei steht er aber vor einem Problem, das sich auch mit Erfindergeist nicht lösen lässt. „Leider fehlt mir zur Umsetzung des Vorhabens der Platz.“ Wer also in der Umgebung von Radenthein ein Grundstück übrig hat, auf dem sich der kreative Kärntner austoben kann, soll sich bei ihm melden. Tel.: 0699/10232940.
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