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Ausgabe Nr. 02/2017 vom 10.01.2017, Fotos: Elnur Amikishiyev/Fotolia, Picture-Factory/Fotolia
Bei Fieber ist Bettruhe wichtig. Nach den Fiebertagen sollten Sie sich noch schonen.
„Händewaschen verringert die Gefahr einer Infektion um 80 Prozent.“
Gefahr fürs Herz
Die echte Grippe, ausgelöst von den Influenzaviren, ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Wer sie nicht mit Bettruhe auskuriert und sich zu früh körperlich anstrengt, riskiert eine Herzmuskel-Entzündung, die zu einer dauerhaften Herzschwäche oder sogar zum plötzlichen Herztod führen kann.
Diese Grippesaison begann ungewöhnlich früh. Bereits wenige Tage vor Weihnachten musste das Department für Virologie der Medizinischen Universität Wien den Beginn der Grippewelle verkünden. In Wien etwa erkrankten in einer Woche etwas mehr als zehntausend Menschen an der „echten“ Grippe, der Influenza. Tendenz anhaltend. Die meisten unter ihnen zwingt das Virus A (H3N2) mit Fieber, Muskel- und Gliederschmerzen sowie Kopfweh und trockenem Husten in die Knie. Zum Vergleich, im Vorjahr begann der sprunghafte Anstieg an Erkrankungen Ende Jänner.

Grippe-Viren sind aggressiv

Die Grippe ist ein jährlich wiederkehrendes Phänomen, weniger gefährlich wird sie dadurch aber nicht, vor allem für ältere Menschen und jene, die sie auf die leichte Schulter nehmen und nicht auskurieren.

Der Grund, Influenza-Viren sind aggressiv. Sie zerstören nicht nur die Zellen in der äußersten Schicht der Atemorgane, das Flimmerepithel der Schleimhaut. Sie können darüber hinaus das Immunsystem schwächen, indem sie die vom Körper zur Abwehr gebildeten Fresszellen verringern. In schlimmen Fällen können sich Grippe-Viren über die Blutbahn verbreiten und weitere Organe befallen, zum Beispiel den Herzmuskel entzünden.
Die genauen Mechanismen einer Virus-Herzmuskel-Entzündung sind nicht zur Gänze erforscht und teilweise auch virusspezifisch. Manche Viren können den Herzmuskel direkt schädigen, andere verursachen durch autoimmunologische Prozesse die Herzmuskel-Entzündung. Tatsache ist, die ausgelösten Komplikationen können gravierend sein. „Neben anderen Viren können Influenzaviren die Ursache von Herzmuskel-Entzündungen sein. Generell tritt diese Entzündung häufiger bei jungen Männern als bei Frauen auf. Schwere Krankheitsverläufe werden eher bei älteren Frauen öfter beschrieben. Eine Herzmuskel-Entzündung ist bei jungen, sportlich aktiven Menschen nicht selten die Ursache eines plötzlichen Herztodes“, erklärt Prof. Florian Thalhammer, Internist und Experte für Infektiologie an der Medizinischen Universität Wien.

Die Ärzte des Bundesverbandes Deutscher Internisten beschreiben weitere mögliche Influenza-Schädigungen im Herz-Kreislauf-System, etwa Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche mit verminderter Pumpleistung, eine Ansammlung von Flüssigkeit in der Lunge aufgrund von Herzschwäche oder ein Kreislaufschock.

Wochenlange „Nachwehen“

Ein allgemein erhöhtes Risiko für schwere bis lebensgefährliche Grippe-Verläufe tragen Säuglinge und Kleinkinder, Patienten mit Vorerkrankungen der Atemwege, der Nieren oder des Herzens sowie immungeschwächte Menschen. Schwangere, besonders jene im letzten Schwangerschaftsdrittel, haben ebenso ein erhöhtes Risiko, durch eine Influenza-Infektion auf der Intensivstation zu landen. Um folgenlos zu genesen, sollte eine echte Grippe daher immer vollständig auskuriert werden. Dazu gehört als wichtige Maßnahme, bei Fieber das Bett zu hüten.

Leider tendieren viele Patienten trotz anhaltendem Schwächegefühl, Husten und erhöhter Müdigkeit zu einer vorschnellen Rückkehr in den Alltag, nicht wissend, dass die „Nachwehen“ einer Grippe zwei, drei oder mehr Wochen spürbar sein können.

„So lange ein Grippe-Patient sich nicht fit fühlt, sollte er sich körperlich schonen. Diese Phase wird bei den meis-
ten Betroffenen länger dauern als die üblichen drei Tage fieberfrei, weil allein der trockene Husten hartnäckig ist. Daher in dieser Zeit keine schweren Arbeiten verrichten und auf Sport verzichten“, rät Prof. Thalhammer. Ein entzündeter Herzmuskel ist für den Patienten nicht zu erkennen. Die Symptome sind vage, etwa Abgeschlagenheit, allgemeine, über Tage anhaltende Schwäche, Atemnot, Brustschmerzen, Müdigkeit und Fieber. „Es ist stets ratsam, mit einer Grippe den Arzt zu konsultieren. Er kann mit einem EKG oder Herzultraschall feststellen, ob eine Herzmuskel-Entzündung wahrscheinlich ist.“

Eine echte Grippe ist eine schwere Krankheit. Die körperliche Schonung kann eine Entzündung des Herzmuskels verhindern oder zum Ausheilen ohne Folgeerkrankungen führen.

Und, Achtung, wer eine Grippe überstanden hat, ist zwar immun gegen den Influenzastamm, der die Grippe ausgelöst hat, jedoch nicht gegen die anderen zirkulierenden Stämme …

***

Grippe – Vorbeugen ist besser als heilen

Unsere Hände kommen schnell mit Grippeviren in Kontakt, auf Türgriffen, Schaltern oder Gegenständen, die mehrere Menschen angegriffen haben. Grippeviren überleben rund 48 Stunden auf Oberflächen. „Händewaschen verringert die Gefahr einer Infektion um 80 Prozent.“ Voraussetzung ist allerdings, die Hände richtig zu waschen:

• Hände regelmäßig waschen, beim Nachhause kommen, vor dem Kochen, vor dem Essen, nach dem Toilettgang.

• Hände für 20 bis 30 Sekunden unter das fließende Wasser halten.

• Dabei die Handflächen, den Handrücken, die Fingerspitzen, die Fingerzwischenräume (Bild) und die Fingernägel gründlich einseifen.

• PH-neutrale Seifen verwenden; antibakterielle Seifen wirken nicht besser als handelsübliche.

• Nasse Hände gründlich trocknen.

• Desinfektionsmittel ersetzen nicht das Händewaschen, und sie wirken nur auf trockener Haut. Auf nasser Haut verlieren sie ihre Wirkung sofort.
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