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Ausgabe Nr. 02/2017 vom 10.01.2017, Fotos: gepa, Karin Cech-Proksch
Jägerstochter Lisa Hauser setzt im Biathlon auf ihr Schießtalent.
Hauser fühlt sich wohl im Wald. Früher ging sie mit dem Papa auf die Pirsch.
Meisterschützin in der Überholspur
Der beste bewaffnete Schiathlet unseres Landes ist eine Frau. Seit ihrer Loslösung vom Schiverband ÖSV gleitet die Biathletin Lisa Hauser, 23, noch mehr auf der Erfolgsspur dahin und peilt bei der Heim-WM eine Medaille an.
Wenn in Reith bei Kitzbühel (T) die Musikkapelle aufspielt und Bürgermeister Stefan Jöchl seine Aufwartung macht, dann hat Lisa Theresa Hauser, 23, wieder einmal einen Meilenstein im Biathlon gesetzt. „Der ganze Ort freut sich mit mir über jeden Erfolg, in der Musikkapelle habe ich lange Querflöte gespielt, und meine Großfamilie begleitet mich zu den Weltcupveranstaltungen“, schwärmt die Athletin von ihren Anhängern.

Die Tirolerin lief mit einer Serie von Top-10-Platzierungen spätestens in diesem Winter ihren männlichen Vorbildern rund um Ex-Weltmeister Dominik Landertinger den Rang ab. Gemeinsam mit Simon Eder gelang ihr in der Single-Mixed-Staffel sogar ein zweiter Platz. Beim Weltcup in
Ruhpolding (D) peilt sie in dieser Woche erneut das Siegerstockerl an. Auf dem Schießstand verdient Hauser ohnehin seit Jahren das Prädikat „Weltklasse“. „Als Mäderl bin ich mit meinem Papa Georg, einem Jäger, auf die Pirsch gegangen“, erinnert sie sich schmunzelnd. „Anscheinend hat er die Schießgene an mich weitervererbt.“ Fehlerlose Schießleistungen mit dem Gewehr sind bei Hauser eher die Regel denn die Ausnahme, die auch nach den anstrengendsten Sprints auf Schnee stets eine ruhige Hand und einen kühlen Kopf behält. „Ich bin selten nervös und kann mit Druck gut umgehen“, bringt sie ihre Stärken auf den Punkt.

In der Loipe wird die Schijägerin ebenfalls immer besser. „Im Langlaufen fehlt mir aber das Supertalent, ich muss mir jeden Fortschritt hart erarbeiten. Doch die weltbesten Biathletinnen sind deutlich älter als ich, deshalb hoffe ich, ihnen Jahr für Jahr näher zu kommen.“

Um das Ziel zu erreichen, hat sich Hauser in einem schmerzlichen Trennungsprozess vom heimischen Schiverband ÖSV gelöst und trainiert nun in einer privaten Trainingsgruppe „Biathlonschmiede“, der auch Simon Eder und dessen Vater Alfred als Trainer angehören. „Ich hätte im Jahr der Heim-Weltmeisterschaft mein Training ganz umstellen sollen und auf meine langjährige Vertrauenstrainerin Sandra Flunger verzichten müssen“, erklärt sie. Ohne Probleme ging die Abnabelung nicht vonstatten, ihre Trainer werden nun teilweise nicht für die Rennen akkreditiert und müssen sie vom Zuschauerstand aus betreuen. „Aus heutiger Sicht kann ich die Schiläuferin Anna Veith und die Langläuferin Teresa Stadlober besser verstehen, die beide ähnliche Kämpfe mit dem ÖSV ausfechten mussten.“

Hausers Vater organisierte als Hauptsponsor die Egger-Brauerei, denn ab nun muss alles privat finanziert werden. „Ich mache aber nur Werbung für alkoholfreies Bier“, lacht Hauser. Ihr zusätzliches Gehalt als Heeressportlerin sichert die Existenz. Zum Glück kann sie daheim in Reith im Haus der Eltern wohnen, das spart Geld. Zuletzt feierte die Familie samt Bruder Georg dort zusammen Weihnachten, die musikalische Hauser spielte auf der Gitarre. „Im Elternhaus habe ich eine eigene Wohnung“, verrät sie, deren Lebensgefährte ebenfalls aus dem Schizirkus kommt, dessen Identität sie aber nicht aufdecken will.
Oft besucht die Tirolerin ihre Oma, die ein paar Häuser weiter wohnt und zu der sie ein enges Verhältnis pflegt. „Von ihr habe ich auch ein Rezept für ein Roggen-Weizenmehl-Mischbrot, das ich mir gerne daheim backe“, erzählt sie, die gern Bücher liest und Freundinnen trifft.

Alle ihre Lieben werden da sein, wenn im Februar die Heim-Weltmeisterschaft in Hochfilzen (T) den Höhepunkt von Hausers Saison bildet, nur wenige Kilometer von ihrem Domizil entfernt. „Die Konkurrenz liegt dicht beisammen, doch an einem perfekten Tag ist eine Medaille erreichbar.“ Dass Hochfilzen dann im Ausnahmezustand liegen würde, versteht sich von selbst. Freunde, Familie, der von ihrem Bruder geleitete Hauser-Anhängerklub und die am Loipenrand erwartete halbe Anwohnerschaft ihres Heimatortes sollen dafür sorgen. 
Wolfgang Kreuziger
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