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Ausgabe Nr. 01/2017 vom 02.01.2017, Fotos: picturedesk.com, Tom Sports Consulting, Karin Cech-Proksch
Eisschnellläuferin Vanessa Herzog gehört bei der Sprint-EM zu den Favoriten.
Herzog mit ihrem Mann Thomas.
Vanessa Herzog liebt Tracht.
Die Attacke der Eis-Herzogin
Mehr als zwei Jahrzehnte nach den Top-Erfolgen der „Eisgräfin” Emese Hunyady träumt die rot-weiß-rote Kufenflitzerszene wieder von Eisschnelllauf-Medaillen, diesmal von einer Eisherzogin. Die erst 21jährige Vanessa Herzog gehört nicht nur auf Kurzdistanzen zu den schnellsten Läuferinnen Europas, bei der Sprint-EM in Heerenveen (NL) am Wochenende wird die frisch verheiratete Tirolerin sogar als Mitfavoritin gehandelt.
Kärnten statt Tirol als Wohnsitz, eine Privattrainerin statt dem bisherigen Verbandsbetreuer, die Niederlande als neue Trainingsstätte und nicht zuletzt ihre eigene Hochzeit im Sommer, für Vanessa Herzog, 21, stellte sich zuletzt innerhalb weniger Monate die ganze Welt auf den Kopf. „Bei mir hat sich soviel verändert, dass ich das alles erst verarbeiten muss“, lacht die hübsche Tirolerin.

Unverändert blieb bei der Innsbrucker Kufenflitzerin
nur ihr enormes Tempo auf der Eisbahn. Im Herbst hatten sie super Zeiten über 500, 1.000 und 1.500 Meter in der Weltrangliste an die Spitze aller Europäerinnen und damit auch mitten hinein in den Favoritenkreis der Sprint-Europameisterschaft in Heerenveen (NL) katapultiert, die am Wochenende über die Bühne geht. Im November folgten allerdings auch kleine Rückschläge. „Sie waren nicht überraschend für mich“, meint Herzog, „denn nicht nur mein Umfeld hat sich verändert, sondern meine aus-
tralische Trainerin Desly Hill hat auch technische Kleinigkeiten bei mir verändert, die ich erst umsetzen muss, die mich langfristig aber schneller machen sollen.“
Ihre ersten Eislaufschritte tat Herzog mit sechs Jahren in Innsbruck, zuletzt feierte sie das Weihnachstfest aber erstmals in ihrer Wahlheimat im kärntnerischen Ferlach, wo ihr frisch vermählter Ehemann, der Sportmanager Thomas Herzog einen Bauernhof mit Schweinen, Hühnern und 120 Obstbäumen, idyllisch gelegen am Ferlacher Stausee, besitzt. „Manchmal helfe ich ein bissl im Stall mit“, erzählt die Athletin, die gerne Dirndl trägt. „Ich habe selbst aber nur ein Tiroler Dirndl und muss erst schauen, was die Frauen in Ferlach so tragen.“

Im September heiratete das Paar im Standesamt „Goldenes Dachl“ in Innsbruck, auch die verunglückte und nun querschnittgelähmte Ex-Stabhochspringerin Kira Grünberg und die Segelweltmeisterin Lara Vadlau waren unter den Gästen, die ebenfalls von Thomas Herzog gemanagt werden. „Ich habe Vanessa lange als Sportlerin betreut und sie dabei kennen und lieben gelernt“, erzählt er. „Wir beide haben uns gefunden und teilen viele ähnliche Interessen. Aus dieser Sicht ist unsere Partnerschaft ein großes Glück für Vanessa und mich, denn bei 230 Reisetagen im Jahr ist es für eine Sportlerin wie sie immens schwer, eine normale Beziehung mit einem Partner zu führen, der ständig daheim bleibt.“

Die Eisherzogin wird künftig womöglich sogar noch seltener daheim anzutreffen sein, denn im Sommer löste sie sich von der Trainingsgruppe des heimischen Eisschnelllaufverbandes OeESV und schloss sich, finanziert durch private Mittel, der Trainingsgruppe „Victorie“ in den Niederlanden an. „Ich bin im Sprint stark und der Verband wollte die Langdistanzen betonen“, berichtet sie von den Differenzen.

Nun trainiert sie unter Desly Hill ausschließlich mit Männern, darunter der niederländische Olympiasieger Michel Mulder. „Ich lerne schon fleißig Niederländisch und fühle mich in der Gruppe pudelwohl“, verrät die Tirolerin, die in ein paar Jahren ein Sportmanagementstudium beginnen möchte.

Ihr Mann Thomas begleitet sie oft bei den Weltcups, ist auch häufig beim Training dabei und sieht in seinem Augenstern mehr denn je einen Rohdiamanten, dem nur noch der letzte Schliff fehlt. „Sämtliche Experten, von der deutschen Eisschnelllauflegende Anni Friesinger bis zur Olympiasiegerin Emese Hunyady bestätigen, dass Vanessa Herzog alle Anlagen zu einer Top-Athletin hat und ihr Leistungsplafond noch lange nicht erreicht ist.“ Eisschnell-
läufer erleben zudem meistens erst mit Ende zwanzig ihren Karrierehöhepunkt. Für das flotte Pärchen ist die Saison nach der EM noch lange nicht vorbei, im Februar steht sogar noch eine Sprint-Weltmeisterschaft in Kanada auf dem Programm. Alle Bewerbe und Weltcups sind jedoch sowieso nur Sprossen auf der Leiter zum großen Ziel.

„Jeden Tag denke ich schon an die Olympischen Winterspiele 2018“, gesteht die Eisherzogin. „Bei mir ist bereits jetzt alles darauf ausgerichtet, in einem Jahr in Südkorea in Medaillennähe zu kommen.“ Ein wenig Zeit zum Verschnaufen wird es für das sportliche Herzogenpaar in diesem Sinne nicht vor dem Frühsommer geben. „Dann geht sich vielleicht auch unsere Flitterwochenreise aus, die wir aus Zeitmangel immer vor uns hergeschoben haben“, schmunzelt die Eissprinterin. „Dann fahren wir irgendwohin, wo es warm ist.“
Wolfgang Kreuziger
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