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Ausgabe Nr. 01/2017 vom 02.01.2017, Fotos: Andrea Izzotti/Fotolia, Fotofinder/bridgemanimages.com, Official White House Photograph
Rund 100 Diener, Hausmädchen, Köche und Handwerker kümmern sich im Weißen Haus um den Präsidenten.
Butler Eugene Allen serviert.
Der Portier bedient den Lift für die Obamas.
Dienstboten-Eingang ins Weiße Haus
Am 20. Jänner zieht Donald Trump ins Weiße Haus ein. Dort trifft er auf Hausangestellte, die seit Jahrzehnten hier dienen. Doch im Gegensatz zu anderen Präsidenten ist der Milliardär Personal gewöhnt.
Es ist nicht jedermanns Sache, von nahezu hundert Hausangestellten umsorgt zu werden. Barack und Michelle Obama fühlten sich „unbehaglich“, mit so viel Personal, das „sie von vorne bis hinten bediente“, erzählt ein ehemaliger Angestellter des Weißen Hauses.

Vor allem die beiden Töchter Sasha und Malia, die sieben und zehn Jahre alt waren, als sie einzogen, sollten nicht verwöhnt werden. „Das Bettenmachen steht auf eurer Hausarbeits-Liste“, machte Michelle Obama von Anfang an klar. Und wenn sie etwas aus der Küche wollten, mussten es sich die Kinder selbst holen und durften nicht nach dem Butler klingeln.

Donald Trump hingegen ist an Bedienstete gewöhnt. Und die wissen mit ihm umzugehen. Anthony Senecal war jahrelang Butler in Trumps 118-Zimmer-Anwesen Mar-a-Lago (Florida). Als er eines Tages einen Warnanruf aus dem Trump-Flugzeug bekam, dass der Chef schlechter Laune sei, engagierte er flugs einen Trompeter, der die Hymne „Hail To the Chief“ (Gruß dem Anführer) spielte. Das Lied wird vor den Auftritten des amerikanischen Präsidenten gespielt. Das scheint Trumps Laune gehoben zu haben.

Das Personal achtete aber immer auch auf die Farbe der Kappen von Donald Trump. War sie weiß, hatte der Chef gute Laune. War sie rot, gingen sie ihm besser aus
dem Weg.

Der Mitt-Siebziger Senecal sorgt aber genauso wie sein Chef mit Äußerungen im Internet für Aufregung. Im Frühjahr ist er den Behörden aufgefallen, weil er schrieb, der Noch-Präsident Barack Obama hätte schon in seiner ersten Amtszeit als „feindlicher Agent von unserem Militär“ erschossen werden müssen.

Es sind zwei Zimmerfluchten im Weißen Haus, die der jeweilige Präsident und dessen Familie privat nutzen. 16 Räume und sechs Bäder im zweiten Stock, weitere zwanzig Zimmer und neun Bäder im dritten Stock. Rund hundert Diener, Zimmermädchen, Köche, Handwerker und Floristen arbeiten für den Präsidenten und dessen Familie. Sie sind Regierungsangestellte, können aber je nach Gutdünken vom neuen Herrn im Weißen Haus gekündigt oder angestellt werden.

Der neue Präsident Donald Trump, 70, stößt nicht bei allen auf Wohlgefallen. „Donald Trump und dessen Familie werden denken, dass die Residenz zu klein, zu alt und nicht glamourös genug für sie sei“, befürchtete eine frühere Hausangestellte vor der Wahl. Und ein ehemaliger Koch des Weißen Hauses meinte, er wäre „nervös“, wenn er noch immer im Amtssitz arbeiten würde.

Grundsätzlich ist die „First Lady“ für den Haushalt, die Dekoration und die Blumen im Weißen Haus zuständig. Doch Melania Trump, 46, will vorerst mit dem zehnjährigen Sohn Barron in New York bleiben. Er soll nicht mitten im Schuljahr aus seiner Umgebung gerissen werden.

Viele der Diener, Köche und Haushälterinnen arbeiten jahrzehntelang im Weißen Haus. Unter verschiedenen Präsidenten, mit verschiedenen politischen Anschauungen. Der bekannteste unter ihnen ist wohl Eugene Allen (1919–2010). Sein Leben war das Vorbild für den Film „Der Butler“. Er bediente acht Präsidenten, von Harry S. Truman bis Ronald Reagan. Aufgewachsen im Bundesstaat Virginia, wo strikte Rassentrennung herrschte, blieb ihm als Schwarzen vieles verwehrt. Er arbeitete als Kellner in Hotels und Restaurants nur für Weiße. Im Jahr 1952 erfuhr er von einer freien Stelle im Weißen Haus und bewarb sich. Allen bekam die Stelle, wusch anfangs Teller und polierte das Silber. Und stieg mit den Jahren zum Chef-Butler auf. „Ich war 34 Jahre dort“, erzählte er einmal über „seine“ Präsidenten. „Und ich mochte sie alle.“ Diskretion ist Ehrensache im Weißen Haus.

Eugene Allen war dort, als John F. Kennedy in Dallas (Texas) ermordet wurde. Er erinnerte sich, wie eine fast versteinerte Jackie Kennedy zurückkehrte. Die Einladung zum Begräbnis des Präsidenten schlug er aus. „Jemand musste im Weißen Haus sein, um alle zu bedienen, wenn sie nach dem Begräbnis nach Hause kamen“, erklärte Eugene Allen.

Ein einziges Mal in seiner Dienstzeit war er selbst Gast im Weißen Haus. Im Oktober 1986 kam die damalige First Lady Nancy Reagan auf ihn zu. Aber nicht, um letzte Details für das Staatsbankett für den deutschen Kanzler Helmut Kohl zu klären, sondern um ihn und seine Frau dazu einzuladen. Als Gäste des Präsidenten, als Ehrung für seine treuen Dienste. Und so trank er an diesem Abend unter Botschaftern, Politikern und Geschäftsmagnaten den Champagner, den er zuvor selbst im Keller sortiert hatte.
Jahrzehntelang war das Personal des Weißen Hauses mehrheitlich schwarz, der Präsident und sein Gefolge weiß. Erst im Jahr 1987 betrat mit dem späteren Außenminister Colin Powell ein Schwarzer den inneren Zirkel der Präsidenten-Berater. Als am 20. Jänner 2009 Barack Obama als erster schwarzer Präsident den Amtseid leistete, war Eugene Allen trotz bitterer Kälte dabei. „Ihn dort stehen zu sehen, das war das alles wert“, resümierte er.

In Donald Trumps Regierungsteam hat es bisher ein einziger Schwarzer geschafft. Der bekannte Chirurg Ben Carson, 65, soll Minister für Wohnungsbau werden.
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