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Ausgabe Nr. 51/52/2016 vom 20.12.2016, Foto: Judith Maria Trölß
Das Ehepaar Duringer wird zum 60. Mal
gemeinsam Weihnachten feiern.
„Der Herrgott und die Liebe haben uns Kraft gegeben“
Ein besonderes Jubiläum begingen Franz und Christine Duringer aus Helfenberg (OÖ). Am 4. September feierte das Ehepaar seinen 60. Hochzeitstag. 60 gemeinsame Jahre, in denen es viele Schicksalsschläge zu meistern gab. Ihr tiefer Glaube und ihre Liebe halfen dem Paar, auch die schlimmsten Lebenskrisen zu überstehen.
Der Sepp hat damals zu mir gesagt: ‚Du gefällst meinem Bruder‘, und hat uns vor dem Gasthaus in Raiden alleine stehen lassen“, erinnert sich Christine Duringer aus Helfenberg (OÖ) an jenen Tag vor mehr als 60 Jahren, als ihr der zukünftige Ehemann Franz ziemlich unromantisch vorgestellt wurde. „Wir waren uns aber auf der Stelle sympathisch“, lacht die 80jährige. Es muss nicht immer schon beim ersten Treffen der Himmel voller Geigen hängen, damit große Liebe entstehen kann. Die hat sich zwischen den Eheleuten, die sich am 1. September 1956 das Jawort gaben, im Lauf der Jahre zweifellos entwickelt. Denn sonst hätten Franz und Christine Duringer die Schicksalsschläge, die sie heimsuchten, wohl nicht überstehen können. Die Liebe und ihr tiefer Glaube gaben ihnen die Kraft, niemals aufzugeben.

Fünf Kinder und eine kleine Landwirtschaft reichten dem bescheidenen Paar zum Glücklichsein. „Wir hatten zwei Schweine, zwei Kühe, bauten Rüben an, Erdäpfel und Kraut“, erzählt die rüstige Seniorin. „Ich habe meinen Mann unterstützt und er mich“, lautet ihre einfache Formel für ein glückliches Leben. Das zum ersten Mal im Jahr 1993 bedroht war. Ärzte diagnostizierten bei der Bäuerin Unterleibskrebs. „Ich bin ins Spital nach Rohrbach gekommen und operiert worden“, berichtet Christine Duringer. Drei Wochen lag sie im Spital und an jedem dieser schweren Tage bekam sie Besuch von ihrem Franz. „Wir haben mehrmals am Tag gemeinsam gebetet. In der Früh, zum Mittagessen und das Abendgebet. Und er hat meine Hand gehalten und gesagt: ‚Wir werden das schaffen.‘“ Gerade, als es schien, dass sie es geschafft hätte, fanden die Ärzte ein Jahr nach dem Eingriff Metastasen in ihrem Bauch. Eine erneute Operation fand im Spital in Linz statt. „So oft es ging, hat mich mein Mann im Krankenhaus besucht“, sagt Christine Duringer und blickt dabei liebevoll zu ihrem Franz. „Er hat sich zu mir ans Bett gesetzt, meine Hand genommen und mir gesagt, dass er mich liebt und dass er mir Kraft geben möchte. Weil er mich so aufgebaut hat, bin ich nicht verzweifelt. Der Franz hat damals mein Leben gerettet.“ Nach einer Chemotherapie und 32 Strahlenbehandlungen konnten die Ärzte Entwarnung geben. Duringer hatte den Krebs besiegt.

Doch vier Jahre später folgte der nächste Schicksalsschlag. „Wir waren am 23. Juni 1998 im Auto am Nachhauseweg, als ein PKW frontal in unser Auto gekracht ist.“ Die Folgen waren verheerend. Als der Rettungshubschrauber im Linzer AKH landete, gaben die Ärzte dem damals 60jährigen keine Überlebenschance. „Sie haben gesagt, der Franz werde das Spital nie mehr verlassen.“ Ein Dickdarmriss, mehrere Brüche der Halswirbelsäule, fast alle Zähne ausgeschlagen und eine deformierte rechte Gesichtshälfte waren die furchtbaren Folgen des Zusammenstoßes. Aber auch seine Frau war schwerst verletzt. Rechte Hand und rechter Fuß waren gebrochen, Milz und Galle mussten ihr entfernt werden. Nach ihrer Überstellung ins Wagner-Jauregg-Spital stellten die Mediziner fest, dass auch sie einen komplizierten Halswirbelbruch erlitten hatte. „Ich habe lange nicht gewusst, ob mein Mann noch lebt und ich habe mich nicht zu fragen getraut. Für mich war die Vorstellung, ein Leben ohne ihn führen zu müssen, unerträglich. Als eines unserer Kinder mir einen schönen Gruß vom Vater ausgerichtet hat, hatte ich Tränen in den Augen, weil ich wusste, der Franz lebt. Das war für mich das größte Glück“, erinnert sich Christine Duringer.

Langsam ging es wieder bergauf und im August 1998 fuhr das Ehepaar gemeinsam auf Reha. „Beim Reden hat sich mein Mann schwer getan. Er hat ja schwerste Kopfverletzungen gehabt. Nach einiger Zeit ist es besser gegangen. Unsere Liebe hat uns durch diese schwere Zeit geholfen.“

Fünf Jahre nach dem Autounfall bangte Christine Duringer wieder um ihren Mann. Franz musste sich bei den Kreuzschwestern in Linz einer Herzoperation unterziehen. „Wieder hab‘ ich um Beistand vom lieben Gott und von der Jungfrau Maria gebetet.“ Und wieder wurden ihre Gebete erhört. „Ich war die ganze Zeit, neun Tage lang, bei ihm im Spital. Ich habe das Gefühl gehabt, wenn ich bei ihm bin, dann geht es uns beiden besser.“

Dank ihres Glaubens und ihrer unerschütterlichen Liebe konnte das Ehepaar am 4. September seinen 60. Hochzeitstag feiern, die Diamantene Hochzeit. „Bei der Sonntagsmesse war uns der Gottesdienst gewidmet und wir haben unser Eheversprechen erneuert. Das war ein wundervolles Erlebnis“, erinnert sich die Seniorin an die Zeremonie.

In der Pfarrkirche in Helfenberg werden Franz und Christine Duringer natürlich auch wieder die Christmette besuchen. „Es ist angenehm, dass sie schon um 22 Uhr beginnt“, lacht die 80jährige. Das Weihnachtsfest war für sie schon immer ein wichtiges Fest. „Es ist ein Fest der Familie, ein Fest der Liebe und ein Fest des Glaubens. Ein Fest jener Werte, auf die es im Leben ankommt“, sagt Christine Duringer. Und wenn andere mit großen Augen ihre Geschenke empfangen, werden die beiden Senioren im Gebet die Ihren schließen, um dem Herrgott still zu danken, dass er seinen Sohn für uns auf die Welt geschickt hat.
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