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Ausgabe Nr. 51/52/2016 vom 20.12.2016, Foto: ORF/dpa/Christian Hager
Jörg Pilawa legt sich vor Beginn einer Sendung gern für zehn Minuten hin.
„Ich bin bereit, auf die Nase zu fallen“
Am 31. Dezember präsentiert der deutsche Moderator Jörg Pilawa, 51, zum ersten Mal den Silvester-Stadl (ab 20.15 Uhr, ORF 2), der in diesem Jahr in Graz (Stmk.) stattfindet. Gemeinsam mit seiner Schweizer Co-Moderatorin Francine Jordi, 39, soll Pilawa der traditionsreichen Sendung neuen Schwung verleihen. Als Nachfolger des beliebten Karl Moik und Andy Borg. Sogar singen und tanzen wolle er, sagte Pilawa dem WOCHE-Reporter Gerald Vukits. Ob damit der Silvester-Stadl zu retten ist, bleibt fraglich.
Herr Pilawa, Sie übernehmen eine schwere Aufgabe. Sie moderieren zum ersten Mal den Silvester-Stadl, der ja schon vor dem Aus stand. Wird es Ihre einzige diesbezügliche Moderation bleiben?
Ich habe, was dieses Thema betrifft, keine Planung über den 31. Dezember hinaus.

Wie haben Sie reagiert, als Sie für die Stadl-Moderation angefragt wurden?
„Es war höchste Zeit“, habe ich mir gedacht (lacht). Im Ernst: Ausschlaggebend für die Anfrage war wohl auch der Erfolg mit unserer Eurovisions-Sendung „Spiel für dein Land“. Diese Sendung machen die gleichen Fernseh-Anstalten, die auch den Silvester-Stadl produzieren. Ich habe meine Familie gefragt, ob ich ihn präsentieren soll. Die Antwort kam wie aus einem Munde: „Natürlich machst du das – wenn wir nach Graz mitkommen können.“ So wird es auch sein.

Haben Sie keine Angst, den Sendungsbeginn zu verschlafen?
(lacht) Diese Frage soll wohl eine Anspielung darauf sein, dass ich mich eine halbe Stunde vor Beginn einer Sendung ganz gerne für zehn Minuten hinlege. Ich schlafe schnell ein – leider auch im Kino. Beim Silvester-Stadl hoffe ich, dass es schon vor der Sendung in der Halle laut genug ist, damit mir das nicht passiert (lacht). Abgesehen davon: In der Wissenschaft heißt es, um Angst zu haben, bedarf es einer gewissen Form von Intelligenz. Die scheint mir wohl zu fehlen (lacht).

Lachen Sie gerne über sich selbst?
Tiefstapeln ist ein Lebensmotto von mir. „Stelle dich nie über andere“ und „Nimm dich selber nicht so ernst“, so wurde ich erzogen. Das haben mir meine Eltern mitgegeben. Auf diese Weise komme ich wunderbar durchs Leben.

Welche Gäste werden Sie beim Silvester-Stadl auf der Bühne begrüßen?
In der Show mit dabei sein werden unter anderen Nik P., „Die Edlseer“, „Spider Murphy Gang“, die Kessler-Zwillinge und die „Amigos“. Ich selbst möchte mich in Disziplinen versuchen, in denen ich nicht zu Hause bin. Das heißt: Ich werde auch tanzen und singen. Dabei kann ich überhaupt nicht singen. Aber ich bin bereit zu scheitern oder auf die Nase zu fallen.

Was werden Sie denn singen?
Ein Duett mit Francine Jordi. Ich hoffe, dass sie meine gesanglichen Schwächen überstrahlen wird. Zudem möchte ich ein oder zwei norddeutsche Lieder singen.

Etwa das bekannte Lied „An der Nordseeküste“?
Wäre zum Beispiel eine Möglichkeit (lacht). „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ wäre auch noch ein gutes Lied. Ich darf nichts verraten. Jedenfalls freue ich mich auf diese Show. Ich finde es schön, dass sich das musikalische Schubladendenken in den vergangenen 15 Jahren aufgeweicht hat. Der Stadl ist heute sparten-
übergreifend. Auch daheim höre ich Helene Fischer und Andreas Gabalier genauso gern wie Heavy-Metal-Musik. Was aber auch daran liegt, dass ich vier Kinder im Alter von fünf bis 19 Jahre habe.

Werden Sie sich im Silvester-Stadl eine Lederhose und ein kariertes Hemd anziehen?
Auf die Lederhose habe ich Bock, sofern es nicht zu verkleidet aussieht. Ich glaube, es wird die erste Show sein, in der ich mich mehrfach umziehe. Was ich tatsächlich anziehen werde, steht erst ein paar Tage vorher endgültig fest. Ohne Smoking wird‘s aber wohl nicht gehen.

Sie verbreiten stets gute Laune, doch auch Ihnen war nicht immer nach Lachen zumute. Als Sie 16 Jahre alt waren, erkrankte Ihr Vater an einem Gehirn-Tumor. War diese Krankheit mit ein Grund für Ihr späteres Medizin-Studium?
Ja, da gibt es einen Zusammenhang. Meine um ein Jahr ältere Schwester Annette, meine Mutter und ich haben den Vater zu Hause gepflegt. Er ist auch zu Hause gestorben. Hinterher haben mir viele Menschen gesagt: „Du hast das ausgezeichnet gemacht, mit viel Leidenschaft, du wärst ein guter Arzt.“ Nach zwei Jahren habe ich das Medizinstudium allerdings abgebrochen.

Sie haben aus einer früheren Beziehung einen Sohn namens Finn, 19. Mit Ihrer Frau Irina Opaschowski haben Sie die Kinder Emmy, 15, Juri, 12, und Nova, 5, bei der vor drei Jahren Rheuma diagnostiziert wurde. Wie geht es ihr?
Knie, Hände und Sprunggelenke waren damals geschwollen. Nova hatte Schmerzen, wollte nicht mehr aufstehen und bekam Cortison-Spritzen, damit die Entzündungen abschwellen. Jetzt bekommt sie wöchentlich Rheuma-Spritzen. Ich klopfe drei Mal auf Holz und kann sagen, dass es ihr zurzeit, dank der Medikamente und dank der Arbeit der Kinder- und Jugend-Rheumaklinik in Garmisch-Partenkirchen (D), hervorragend geht. Sie ist symptomfrei, doch das kann sich bei Rheuma durch einen neuen Schub rasch ändern. Bei vielen kranken Kindern ist mir allerdings eines aufgefallen: Sie jammern nie. Und wenn sie gefragt werden, wie es ihnen gehe, antworten sie: „Danke, gut.“ Deshalb bin ich gerne Botschafter der Deutschen Rheuma-Liga.


ZUR PERSON

Jörg Pilawa wurde am 7.9.1965 in Hamburg (D) geboren. Ein Medizin- und Geschichts-Studium brach er ab. Mit 22 Jahren begann er als Radiomoderator, mit 29 seine Fernseh-Karriere bei ProSieben mit der Talkshow „2 gegen 2“. Seither war er bei zahlreichen deutschen Sendern im Einsatz. Er leitete auch die Kuppelshow „Herzblatt“. Im November präsentierte er das Länder-Quiz „Spiel für dein Land“. Als Schauspieler wirkte Pilawa in Gastrollen im „Tatort“ und in „Großstadtrevier“ mit. Jörg Pilawa ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Hamburg-Bergedorf. Fit hält er sich unter anderem mit Joggen, „obwohl mich das Laufen im Grunde genommen aggressiv macht“. Die Ferien verbringt er mit der Familie auf seiner eigenen Insel in Kanada.
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