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Ausgabe Nr. 50/2016 vom 13.12.2016, Fotos: Netzer Johannnes / Fotolia, Judith Maria Trölß
Am 21. Dezember beginnt der Winter.
Anhand des Pflanzenwachstumes, des Verhaltens der Bienen und der Niederschlagsmengen sagt Nöbl einen schneereichen Winter voraus.
„Wir bekommen einen schönen Winter mit weißen Weihnachten“
Seit 50 Jahren beobachtet der in Saalfelden (Slbg.) lebende Horst Nöbl die Natur genau. Anhand der Blühphasen von Bäumen und des Verhaltens seiner Bienenvölker gelingt es dem 74jährigen, das Wetter vorherzusagen. Aufgrund der bisherigen Auswertungen sieht er einen schneereichen Winter, der am Mittwoch, 21. Dezember, beginnt, vor uns liegen.
Er ist ein Mann, der Pflanzen versteht. Der dem Wachstum der Natur auf der Spur ist. Und so entnimmt der Saalfeldener (S) Horst Nöbl dem Wachstum der Disteln am
Berg, wie es um den Winter in diesem Jahr bestellt ist.

„Das Beobachten des Distelwachstums hat im Pinzgau eine gewisse Tradition und zwar nach den Bauernregeln, weil die Disteln das ganze Jahr über stehenbleiben. Das Vieh auf der Alm frisst sonst alles, aber die Disteln lässt es stehen. Auf diese Weise ist noch bis in den Herbst hinein zu sehen, wie die Disteln gewachsen sind, wie hoch sie geworden sind, wie viele Disteln es gibt und je höher die Disteln sind, umso größer ist die kommende Schneemenge. Die Pinzgauer haben gesagt, Distelhöhe ist gleich Schneehöhe. Wenn die Disteln auf dem Berg 2,50 Meter hoch sind, dann liegt da oben im Winter auch 2,50 Meter Schnee. Das war im Jahr 2012 der Fall, die Schneemengen auf dem Berg können enorm sein“, erklärt der 74jährige Wetter- und Naturbeobachter, der schon von Berufs wegen viel damit zu tun hatte. Denn Nöbl war 40 Jahre lang als Diplomingenieur für Forstwirtschaft in der Wildbach- und Lawinenverbauung tätig.

Seine Aufzeichnungen sind gefragt. Auch die WOCHE
ließ sich schon den Sommer vorhersagen. Dabei lag der Hobby-Meteorologe mit seinen Prognosen ziemlich richtig. Jetzt ist er überzeugt, anhand seiner Naturbeobachtungen einen herrlichen, schneereichen Winter voraussagen zu können. Ebenso, dass wir in unserem Land nach Jahren der Tristesse wieder weiße Weihnachten bekommen werden. Zumindest in den Orten ab 800 Metern Seehöhe.

Für seine Prognose bedarf es dabei nicht nur der Beobachtung der Disteln am Berg. Auch vor seiner Haustür findet Nöbl deutliche Hinweise. „Zum Beispiel an meinen Weiden im Garten. Sie treiben im Jahr normalerweise bis zu eineinhalb Metern aus. Heuer betrug das Wachstum zweieinhalb Meter. Das bedeutet für das Wetter, je besser das Wachstum im Frühsommer in der Zeit der Vegetation ist, umso mehr Schnee gibt es im Winter.“

Über seine Beobachtungen führt Nöbl akribisch Buch. Und gibt dieses Wissen gerne weiter. „Die Natur, das Wetter und ich“ heißt ein Werk, das er im Verlag FST (ISBN-Nr. 978-3-902839-03-9) herausgegeben hat. Es kostet knapp 29 Euro. Dafür erfährt der Leser Wissenswertes über den Einfluss der Mondphasen, über Pilze und das Wetter, welche Rolle die Fichten bei der Wetterprognose spielen, über die Klimaänderung, von den feinfühligen Bienen und von Bauernregeln.

Natürlich greift der Salzburger auch auf ganz „normale“ Daten wie jene vom Niederschlag zurück. Eine kleine Messstation im Garten liefert die Werte. Daraus zieht Nöbl seine Schlüsse und fand heraus, dass es einen Sieben-Monate-Zyklus beim Niederschlag gibt. „Je nachdem, wie viel es im Mai, Juni und Juli regnet, gibt es auch im Dezember, Jänner und Februar Niederschlag. Gab es also im Frühjahr viel Regen, kommt jetzt, sieben Monate später eine große Schneemenge auf uns zu.“

Untermauert wird diese Beobachtung von Statistiken über das Verhalten der Bienen. Der 74jährige unterscheidet dabei zwischen Waldhonig-Jahren und Nicht-Waldhonig-Jahren. „Und nach den Waldhonig-Jahren gibt es im heurigen Winter durchschnittlich die doppelte Schneehöhe als in Nicht-Waldhonig-Jahren, denn heuer hatten wir ein super Waldhonig-Jahr.“

Nöbl kann sogar mit konkreteren Daten aufwarten. Bis Ende des Monats soll die durchschnittliche Tages-Temperatur seinen Aufzeichnungen zufolge bei drei Grad unter null liegen. Wobei in der Nacht minus zehn Grad erreicht werden können und tagsüber plus vier Grad. Spitzenwerte von minus 15 Grad sollen im Dezember erreicht werden.

Nach Schneefällen Anfang des Monats und in den vergangenen Tagen sollen weiße Weihnachten folgen, da es nach Ansicht von Nöbl auch in der dritten Dekade noch einmal Neuschnee geben wird. „Wenn ich mir die Temperatur-Prognosen ansehe, erwarte ich im Jänner die meisten Niederschläge. Bei leicht höherer Durchschnittstemperatur, die dann gegen Ende des Monats wieder sinkt. Für Orte oberhalb von 800 Metern Seehöhe wird es ein traumhafter Winter mit einer Schneedecke von bis zu 40 Zentimetern.“

Darauf sollte sich das Christkindl einstellen und unter den weihnachtlich geschmückten Baum warme Kleidung legen. „In diesem Winter zahlt sich auch der Kauf einer Ausrüstung für Wintersportarten aus“, schmunzelt der
Hobby-Meteorologe.
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